Cannabis und Schlaf

In den letzten zehn Jahren ist die öffentliche Unterstützung für die Legalisierung von Cannabis drastisch gestiegen. Einige Staaten haben die Verwendung von Marihuana sowohl für medizinische als auch für Freizeitzwecke erlaubt. Die Stigmata und Stereotypen gegenüber Konsumenten lösen sich langsam auf.

Graskonsum ist längst kein Phänomen mehr, das ich am Rande der Gesellschaft abspielt. Cannabis ist sowohl für Rentner als auch leistungsstarke Profis und Ärzte interessant, die nicht unbedingt Interesse am Rauschzustand, sondern an erleichtertem Einschlafen und festerem Schlaf haben.

Die Unterstützung für die Legalisierung geht über parteipolitische Grenzen und Altersgruppen hinaus. Viele Menschen gestehen, dass sie die Droge bereits probiert haben und glauben, dass Alkohol schädlicher als Cannabis ist. Durch den zunehmenden kontrollierten Marihuana-Konsum ist Cannabis zunehmend zum Gegenstand der Forschung geworden.

In einer aktuellen Umfrage unter Konsumenten medizinischen Marihuanas, berichteten 76 % der Befragten, dass sie Cannabis zur Entspannung nutzen, 65 % verwendeten es als Schlafmittel.

Die von HelloMD durchgeführte Umfrage ergab, dass schlafhemmende Faktoren die Gründe für den Cannabiskonsum waren: Stress und Depression. Sogar 84 % der Befragten berichteten, dass die psychoaktive Droge ihnen eine signifikante Linderung der Symptome bietet. 96 % der Benutzer sagten, sie würden Marihuana ihren Freunden empfehlen.

Aber unterstützen die neusten wissenschaftlichen Untersuchungen diese Begeisterung? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Untersuchungen über die Verwendung von Marihuana als Schlafmittel.

Hindernisse bei der Untersuchung von Cannabis und Schlaf

Trotz enthusiastischer Konsumenten und der Unterstützung der Öffentlichkeit, ist es für Forscher nicht einfach, die Auswirkungen von Marihuana auf den Schlaf zu untersuchen. Rechtliche, institutionalisierte und kulturelle Schwierigkeiten bleiben auch heute bestehen.

Auch wenn sich eine ernsthafte, wissenschaftlich fundierte Diskussion über die Vorteile und Nachteile von Marihuana – einschließlich der Verwendung von Marihuana für den Schlaf – ergeben hat, sind gesetzlichen Einschränkungen weiterhin nicht zu vernachlässigen.

Gesetzeslage in Deutschland

In Deutschland gehören Cannabis und seine Erzeugnisse zu den nicht verkehrsfähigen Stoffen. Ohne Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind jegliches Inverkehrbringen, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen des Cannabis nach § 29 ff. BtMG strafbar.

Je nach Bundesland bestehen sogenannte „Kleinstmengen“, bei denen das Strafverfahren nach ermessen des Staatsanwaltes bzw. des Richters eingestellt werden kann. Seit Juni 2018 liegt diese bundesweit festgesetzte Obergrenze bei 6 Gramm.

Beschaffungs- und Qualitätsprobleme

Wissenschaftler und andere Kritiker behaupten auch, dass die Bundesregierung immer noch nicht in der Lage ist, sinnvolle Marihuana-Studien durchzuführen. Forscher beschweren sich seit Jahren, dass die Qualität von Marihuana zu Forschungszwecken typischerweise weit unter dem Standard liegt.

Warum sind diese Hinweise relevant? Sie müssen im Hinterkopf behalten werden, wenn wir uns die Ergebnisse der Studien über den Gebrauch von Marihuana ansehen, einschließlich unseres Fokus: Die Verwendung von Cannabis als schlaffördernde Substanz.

Im Gegensatz zu anderen, legalen Schlafmitteln, sind bisherigen wissenschaftlichen Funde im Falle von Marihuana hier oft widersprüchlich, ohne klare Schlussfolgerungen und sehr begrenzt. Es bedarf weiterhin nach brauchbaren, umfangreicheren Studien.

Schwankungen auf der Erzeuger- und Verbraucherebene

Die Auswirkungen von Marihuana können von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Ein Stück dunkle Schokolade mit CBD und THC könnte die eine Person entspannen und einschläfern, die andere zu übermäßigem Geschwätz oder Gelächter anregen.

Hersteller und Vertreiber von Marihuana legalisierten Regionen feilen immer noch an der Dosierung, Wirkung und Verabreichung ihrer Produkte. Mit der fortschreitenden Regulierung und Qualitätskontrolle wurden bereits viele Fortschritte in Staaten erzielt, in denen sowohl medizinisches als auch für den Eigenbedarf bestimmtes Marihuana legal ist.

Die Wirkung von Cannabis auf den Schlaf

Während die Schwierigkeiten bei der Beschaffung kritischer Proben und Studien bestehen, sind die Forscher zu teilweise umstrittenen und vorläufigen Schlussfolgerungen in Bezug auf Cannabis und Schlaf gekommen. Zu den wichtigsten darunter gehören die Folgenden:

  • Marihuana ist 114 mal sicherer als Alkohol und Zigaretten. Das tödliche Risiko durch Gras ist extrem gering. Die Ergebnisse wurden in einer Ausgabe 2015 der Zeitschrift Scientific Reports, einer Tochtergesellschaft von Nature, veröffentlicht.
  • Das Rauchen von Gras birgt die gleichen Risiken wie das Rauchen von Zigaretten. Die American Cancer Society warnt davor, dass gerauchtes Marihuana zusammen mit THC und anderen Cannabinoiden „schädliche Substanzen an Verbraucher und Anwohner liefert, einschließlich vieler der gleichen Substanzen, die im Tabakrauch enthalten sind“. Die American Lung Association stellt fest, dass Marihuanaraucher dazu neigen, tiefer zu inhalieren und den Atem länger anzuhalten als Zigarettenraucher, was zu einer größeren Belastung pro Atemzug mit Teer führt. Lebensmittel, Tinkturen und Öle stellen diese Risiken nicht dar. Bei diesen Formen kann es länger dauern, bis die Wirkung eintritt – zwischen 45 Minuten und drei Stunden. Verspeistes Marihuana neigt dazu, länger im Körper zu verweilen als inhaliertes, welches sowohl schneller wirkt als auch schneller abgebaut wird.
  • Marihuana kann Angstzustände bekämpfen, aber auch hervorrufen. Wie wir am Anfang des Artikels festgestellt haben, berichten viele Menschen, dass sie nach Marihuana greifen, um die sich zu beruhigen und einzuschlafen. Marihuana wird aus der Hanfpflanze Cannabis gewonnen und obwohl es mehr als 400 Chemikalien enthält, sind nur THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) und Cannabidiol (CBD) psychoaktiven Stoffe. Harvard-Forscher räumen ein, dass THC bei niedrigen Dosen beruhigend wirken kann. Bei höheren Dosen kann es jedoch „intensive Angstzustände“ auslösen, besonders bei Erstkonsumenten, die nicht mit der richtigen Dosierung vertraut sind. Die Forscher dieser Studien wiesen jedoch darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Marihuana und Angstzuständen jedoch verzerrt sein kann. Möglicherweise verursacht Marihuana nicht die Angst, sondern bereits von Angstzuständen betroffene Personen greifen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit nach Marihuana.
  • Die schlaffördernde Wirkung von Marihuana wurde durch eine Reihe von Studien bestätigt. Eine Überprüfung der klinischen Studiendaten cannabis-basierter Medikamente ergab eine milde aktivierende Wirkung durch CBD und eine leicht betäubende Wirkung durch TCH. Die Forscher bemerkten, dass die meisten der 2000 Probanden, die Cannabisextrakte in klinischen Studien eingenommen haben, „eine deutliche Verbesserung der subjektiven Schlafparameter“ sowie keine wachsende Toleranz gegenüber dem Medikament über mehrere Jahre zeigten. In einer kanadischen Studie mit 104 HIV-positiven Patienten befürworteten zwei Drittel unter anderem die Verwendung von Gras für den Schlaf. Die Harvard Medical School räumt ein, dass Marihuana eine entspannende Wirkung haben kann. Einige Studien, darunter die von der Boston University’s School of Public Health, scheinen diesen Schlussfolgerungen zu widersprechen und stellen fest, dass Marihuana zur Verringerung der Schlafqualität beiträgt. Aber es kann sein, dass die Ergebnisse verzerrt sind: Menschen, die Gras rauchen, neigen aufgrund bestehender Probleme zum Konsum. Studienteilnehmer, die nicht jeden Tag rauchten, rauchten in der Regel am Abend“, sagte einer der leitenden Forscher. „Aber wenn Sie mehrmals täglich rauchen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie eine Schlafstörung melden. Nur indem man den Marihuanakonsum vollständig stoppt und einige Zeit wartet, wird eine Person in der Lage sein, zu bestimmen, wie Marihuana den Schlaf wirklich beeinflusst hat.“
  • Studien zeigen, dass Marihuana die Beschwerden bekämpfen kann, die Schlaflosigkeit verursachen. Stress und Depressionen sind die in Wechselwirkung stehenden Übeltäter der Schlaflosigkeit: Entweder sie sind der Grund für die Schlaflosigkeit oder ihre Begleiterscheinungen. In mehreren neueren Studien, von den Neurowissenschaftlern des Research Institute on Addictions der University of Buffalo wurden Stress und Depressionen mit besonderem Augenmerk auf Endocannabinoide untersucht. Diese Gehirnchemikalien ähneln den in Marihuana enthaltenen Wirkstoffen und werden von Forschern als „hirneigenes Marihuana“ bezeichnet. „Die Verwendung von Marihuana zur Wiederherstellung der körpereigenen Endocannabinoidfunktion könnte möglicherweise helfen, die Stimmung zu stabilisieren und Depressionen zu lindern“, sagte der leitende Forscher Dr. Samir Haj-Dahmane. Eine weitere aktuelle Studie stellte fest, dass Cannabis die Reaktionen schwerer posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) einschränken kann, zu denen Schlaflosigkeit und Alpträumen gehören. Den in dem Experiment mit Cannabis behandelten traumatisierten Ratten ging es besser als den mit dem SSRI-Antidepressivum Sertralin (Zoloft) behandelten Ratten.
  • CBD, das nicht-aufputschende Cannabinoid, kann gut als Schlafmittel allein oder in Verbindung mit THC wirken. Forscher weisen darauf hin, dass CBD die von THC erzeugten euphorischen Rauschzustände (und das Potenzial für Psychosen) kompensiert. Für einige Anwender erfüllt die weichere Indica-Gattung von THC die Aufgabe, dem Körper die unverwechselbare Schwere (Sedierung) kurz vor dem Einschlafen zu verleihen. Aber THC kann für viele zu mitreißend sein. Ärzte empfehlen Einsteigern daher CBD, besonders bei Menschen, die zu Angstzuständen neigen oder den Rauschzustand von THC vermeiden wolle. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, dass CBD tatsächlich Wachheit hervorruft und die Tiefschlaf, sowie den REM-Schlaf verringert. Die Schlussfolgerung besteht darin, dass Schlaflose eine CBD-reiche Tinktur oder ein CBD-reiches Extrakt am besten einige Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen. So vermeiden sie die negativen Einflüsse auf den Schlaf und nutzen die angenehm betäubende Wirkung für leichteres Einschlafen.
  • Marihuana lindert obstruktive Schlafapnoe. Forscher der University of Illinois am Chicago Department of Medicine stellten eine starke Unterdrückung der schlafbezogene Atmungsstörungen bei Ratten fest, die entweder exogene oder endogene Cannabinoide erhielten. Neuere Studien bestätigten diesen Effekt sowohl bei Ratten als auch bei Menschen.
  • Die Verwendung von Cannabis durch Jugendliche ist gefährlich für ihre Entwicklung des Gehirns. Da sich das Gehirn von Kindern und Jugendlichen in einer Wachstumsphase befindet und somit für dauerhafte Schäden anfällig ist, warnen Forscher davor, dass hier Risiken des regelmäßigen Marihuanakonsums die Vorteile überwiegen. Susan Weiss, Leiterin der Abteilung für außeruniversitäre Forschung am National Institute on Drug Abuse (NIDA), stellt fest: „Es gibt eine wachsende Literatur, und sie weist alle in die gleiche Richtung: Wenn man jung beginnt und häufig konsumiert, kann die Hirnentwicklung gestört werden.“