Gehirn Neustarten

Forschungen zeigen, dass der Schlaf die Erneuerungs- und  Bereinigungsprozesse des Gehirns fördert und unterstützt.

Abfallprodukte werden entfernt, während die Informationen, die das Gehirn tagsüber aufgenommen hat verarbeitet und nutzlose Informationen gelöscht werden. Diese Reinigungsfunktion ermöglicht es unserem Gehirn, effektiv zu arbeiten und könnte eine Erklärung dafür sein, warum wir uns morgens nach dem Aufstehen im Allgemeinen besser und glücklicher fühlen.

Wie entfernt das Gehirn Abfallprodukte?

Andere Organe und Gewebe werden mit dem Lymphsystem „gereinigt“, das fast wie eine „Kanalisation“ für den Körper funktioniert. Das Lymphsystem reicht jedoch nicht in das Gehirn hinein. Die sogenannte „Blut-Hirn-Schranke“ begrenzt den Flüssigkeitsaustausch zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers zum Schutze des Gehirns.

Das glymphatische System

Das glymphatische System besteht aus Gliazellen (eine Art von Zelle, die im Nervensystem verbreitet ist) vor allem aber aus Astrozyten. Die Flüssigkeit macht etwa 20 % des Gehirnvolumens aus, aber dieser Anteil variiert im Laufe des Tages und der Nacht. Die Flüssigkeit wird als glymphatisches System bezeichnet. Im Schlaf nimmt der Anteil dieser Flüssigkeit um bis zu 60 % zu. Es ist seit langem bekannt, dass die Zerebrospinalflüssigkeit zwischen dem Kopf und dem Rest des Körpers wandert. Wissenschaftler untersuchen sogar dieses sogenannte Hirnwasser auf Hinweise darauf, was im Gehirn passiert.

Die extrazelluläre Flüssigkeit im Gehirn – die Feuchtigkeit zwischen den Neuronen – ist Teil eines Systems, das das Gehirn „spült“. Diese Spülung des glymphatischen Systems entfernt Abfallprodukte des Stoffwechsels, die potenziell Neurotoxine sind. Zu diesen Abfallprodukten gehören auch Beta-Amyloid-Proteine, bei denen ein starker Verdacht besteht, dass sie eine Rolle bei der Alzheimer Erkrankung spielen. Ein fehlerhaftes glymphatisches System erhöht möglicherweise die Wahrscheinlichkeit von Alzheimer.

Leistungsfähigkeit und Schlafmangel

Wir wissen seit langem, dass Schläfrigkeit die geistige Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit neues zu lernen verringert. Schlafentzug reduziert die kognitive Leistungsfähigkeit. Aber warum?

Experimente an Mäusen zeigen, dass bei mikroskopisch kleinen Gehirnzellen Schläfrigkeit und Schlafmangel das Gehirn beeinflussen. Wenn Mäuse motorische Aufgaben lernten, bildeten sich neue kleine Vorsprünge – oder „Stacheln“ – an einigen der dendritischen Zweige bestimmter Gehirnneuronen. Die Neuronen wuchsen und hielten diese Vorsprünge besser, wenn die Mäuse ausgeschlafen waren und nach dem Lernen schliefen. Neuronen, die beim Lernen über diese neuen Vorsprünge abgefeuert wurden, wurden im anschließenden Langzeitschlaf wieder abgefeuert, was Beweise für die Hypothese liefert, dass dieses Wachstum für die Bildung neuer Erinnerungen entscheidend ist. Bei Mäusen mit Schlafmangel wuchsen die Vorsprünge oder „Dendriten“ deutlich langsamer oder bildeten sich sogar zurück.

Größere Tiere haben mehr Zwischenraum und damit mehr von der Flüssigkeit im Gehirn. Die größeren Gehirne können länger wach bleiben, bevor die Reinigungsfunktion des Schlafes benötigt wird. Die Hypothese kann teilweise erklären, warum größere Tiere weniger schlafen als kleinere.

Mögliche Verbindung zwischen Schlafmangel und Demenz

Bedeutet dies, dass chronischer Schlafentzug das Risiko einer Demenz erhöhen kann? Wissenschaftliche Belege bleiben zwar noch aus, aber es deutet sicherlich auf eine mögliche Verbindung hin. Ein Grund mehr, genügend zu schlafen.