Lernen im Schlaf

Manche Menschen betrachten den Schlaf oft als Zeitverschwendung. Wenn wir im Wachzustand Multitasking können, warum nicht auch im Schlaf? Mitte des 20. Jahrhunderts fanden Forscher Beweise dafür und das lernen im Schlaf erreichte das Bewusstsein der Bevölkerung. Es spielte eine Rolle in den Handlungen der dystopischen Romane Brave New World und Clockwork Orange und wurde mit Gehirnwäsche in Verbindung gebracht.

Darauf hin sind die Verkaufszahlen von Aufnahmen, die zum Abspielen im Schlaf gedacht sind, explodiert. Sie versprechen Wissen zu vermitteln oder die Gewohnheiten ändern zu können. Obwohl die Durchführbarkeit dieser Technik nicht ausgeschlossen ist, gab es überraschend wenig wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema.

Relevante Studien zu dem Thema

Israelische Wissenschaftler konnten Testpersonen im Schlaf dazu bringen, das Schnüffelverhalten als Reaktion auf hörbare Hinweise zu lernen. Geruch und das Hören einfacher Töne können in den primitiven Hirnarealen verarbeitet werden. Diese Konditionierung funktionierte unabhängig davon, in welchem Stadium des Schlafzyklus die Schlafenden sich befanden. Jedoch funktioniert es während der REM am besten.

Auch haben Wissenschaftler der französischen Hochschule Ecole Normale Supérieur gezeigt, dass schlafende Menschen gesprochene Worte verarbeiten und darauf reagieren können. Ob diese Verarbeitung als Verständnis gilt, ist eine philosophische Frage (die meisten würden sagen, dass es das nicht ist). Die Verarbeitung umgeht den präfrontalen Kortex, der während des Schlafes stark unterdrückt wird. Als die Probanden aufwachten, konnten sich aber nicht an die Worte erinnern so dass dies nicht genau der Definition von lernen im Schlaf entspricht.

Solche Beweise deuten darauf hin, dass es möglich sein könnte rohe Fakten im Schlaf lernen zu können. Es könnte auch die einfache Stimulus-Reaktionskonditionierung fördern.

Schlaf als Problemlöser – Eine Nacht drüber Schlafen

Es gibt einige Beweise, dass Menschen komplexe Probleme leichter lösen können, wenn ihre Überlegungen durch den Schlaf unterbrochen werden. Wenn man ein schweres Problem (mathematisch, logisch oder pragmatisch im Alltag) tagsüber angeht, es aber nicht lösen kann, hat man am nächsten Tag oft einen besseren Erfolg. Es ist nicht genau bekannt welche Schlafphase die produktivste für die Problemlösung ist.

Forscher der Universität Nordwesten fanden heraus, dass ein 90-minütiges Nickerchen helfen kann, neu gelerntes Wissen zu festigen. Sie versuchten den Menschen neue Dinge – sowohl geistige als auch körperliche – beizubringen und maßen dann, wie gut die neuen Fähigkeiten und Kenntnisse hielten. Diejenigen die nach dem lernen ein Nickerchen machten, zeigten später eine bessere Leistung. Es zählt zwar nicht zum „lernen im Schlaf“ aber der Schlaf spielt eine sehr große Rolle beim lernen neuer Informationen.