Schönheitsschlaf – Redewendung oder wissenschaftlicher Fakt?

Schönheitsschlaf ist kein Mythos. Erholsamer Schlaf hält die Haut straff und mildert die Bildung von Falten im Gesicht und um den Hals.

Der Körper kühlt für die Schlafenszeit etwa einen halben Grad ab, der Kreislauf erhöht die Durchblutung der Haut. Deshalb sind unsere Wangen nachts oft gerötet. Aufgrund dieser verbesserten Durchblutung der Haut scheinen einige Menschen kurz vor dem Schlafengehen oder im Schlaf zu „glühen“ – das zusätzliche Blut in den oberen Hautschichten färbt die Haut rötlich.

Kollagene und Wachstumshormone

Der menschliche Nachtschlaf ist im Vergleich zu mit anderen Säugetieren sehr langwierig. Andere Tiere haben normalerweise keine Freisetzung von Wachstumshormonen während des Schlafes und nur wenige andere Säugetiere treten im Schlaf in einen Fastenzustand ein.

Früh im nächtlichen Schlafzyklus haben Menschen typischerweise einen Anstieg an Wachstumshormonen. Bei dieser Phase des Tiefschlafes handelt es sich um den tatsächlichen „Schönheitsschlaf“. Die Ausschüttung von Wachstumshormonen hilft, Körpergewebe wie Muskeln, Haut und Knochen zu reparieren und wiederaufzubauen.

Dies deutet darauf hin, dass das natürlich vorkommende Wachstumshormon auch eine große Rolle bei der Aufrechterhaltung der Kollagenmatrix und dem damit verbundenen jungen Erscheinungsbild spielt. Ratten mit Schlafmangel weisen erste negative körperlichen Anzeichen in Form von Läsionen auf der Haut auf.

Im Tiefschlaf zeigt Gewebe auch eine erhöhte Zellproduktion und einen langsameren Abbau von Proteinen. Da diese die Bausteine für Zellwachstum und Reparatur von Schäden durch Belastungen wie Stress und UV-Strahlen sind, wirkt Tiefschlaf in der Tat „verjüngend“.

Erhöhte Zellteilung in der Nacht

Es gibt einige Hinweise darauf, dass sich die Hautzellen nachts schneller regenerieren als am Tag. Die Zellteilung erfolgt den ganzen Tag über, aber die Spitzenwerte liegen um 2 Uhr morgens. Das ist buchstäblich Erneuerung und Verjüngung im Schlaf. Der Höhepunkt der Zellteilung tritt auch ein, wenn man zu dieser Zeit nicht schläft – der Anstieg des Wachstumshormons bleibt in diesem Falle jedoch aus.

Objektivität und Schönheitsstandards

Schönheit liegt vielleicht im Auge des Betrachters, aber das Erscheinungsbild von straffer, frischer Haut und Erholung ist ein objektiver Schönheitsstandard. Eine schwedische Studie ergab, dass Schlafmangel „leicht anhand einer Reihe von Gesichtsausdrücken zu beobachten ist“.

Menschen mit Schlafmangel sind leicht identifizierbar: In der Regel weisen sie blasse Haut, dunkle Augenlider und blutunterlaufene Augen auf. Doch auch weniger subtilere Anzeichen reichen aus: Beobachter können Müdigkeit bereits anhand von Mundwinkel und Blick erkennen und eine müde Person in Sekundenbruchteilen von einer ausgeruhten Person unterscheiden.

Beobachter konnten auch zwischen Schlafentzug und Erschöpfung anhand der glasigen Augen trennen. Als Forscher den Beobachtern Bilder von schlaflosen Menschen zeigten, bewerteten die Beobachter sie als weniger gesund als die der ausgeschlafenen Menschen. Sie beschrieben die schlaflosen Menschen als müder und weniger attraktiv.

Welche Auswirkungen haben der „Schönheitsschlaf“ und sein Mangel auf uns?

Sowohl Schlafmangel als auch schlechte Schlafqualität beeinflussen den Körperfettanteil negativ und steigern das Risiko einer chronischen Krankheit.

Tiefschlaf hilft die schlechten Auswirkungen von Cortisol zu kompensieren. Das Wachstumshormon nimmt mit dem Alter und mit zunehmendem Bauchfett natürlich ab, was zu einem Teufelskreis aus mehr Müdigkeit, schlechterem Abbau des Stresshormons und erhöhtem Bauchfett führt.

Es wurde auch festgestellt, dass Schlafentzug Brüche in der Hautbarrierefunktion und den Schleimhäuten verursacht. Forscher haben kürzlich festgestellt, dass Schlafapnoe-Patienten, die nachts ihre CPAP-Geräte verwenden, jünger und frischer aussehen als diejenigen, die dies nicht tun.

Die Aktivität der Hirnregionen, die Emotionen, Entscheidungsprozesse und soziale Interaktionen steuern, wird im Tiefschlaf drastisch reduziert. Dies deutet darauf hin, dass diese Phase des Schlafs Menschen helfen kann, ihre optimale emotionale und soziale Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Ein ausgewogenes und aufmerksames Auftreten lässt uns wiederum attraktiver erscheinen.

Der Effekt einiger Kosmetikprodukte wird durch Sonnenlicht aufgehoben. Diese vor dem Schlafengehen zu verwenden steigert also ihre Wirkung. Antioxidantien wie Vitamine C und E bleiben länger auf der Haut aktiv, wenn sie nachts auftragen werden. Ob diese Produkte jedoch wirklich halten, was sie versprechen, ist eine andere Frage.

Einige Leute befürworten, die Rückenlage für optimalen „Schönheitsschlaf“. Im Gegensatz zur Seite- oder Bauchlage soll diese Position Falten verhindern. Eine von der American Academy of Dermatologists herausgegebene Website legt nahe, dass das einseitige Liegen des Gesichts auf dem Kissen jede Nacht über Jahre hinweg zu Falten führt“. Sie empfehlen, auf dem Rücken zu schlafen, um Falten zu vermeiden.

Die Wirkung von Stress auf unsere Haut

Stress hat schädliche Auswirkungen auf das Hautbild. Er verursacht Haarausfall, Schuppenflechten und atopische Dermatitis. Chronischer Stress schadet der Integrität des Kollagens in der Haut. Schlafentzug belastet den Körper und führt zu einem kränklichen Erscheinungsbild. Schlafapnoe verursacht viel Stress nicht nur im Herz-Kreislauf-System, sondern wirkt sich auch auf negativ auf Knochen und Gelenke aus.