Schlafstörungen

Unter Insomnie (Schlafstörung) werden als ungenügend empfundene Schlafperioden an drei oder mehr Tagen pro Woche über einen Zeitraum von mindestens einem, zumeist mehreren Monaten verstanden. Dabei kann es sich sowohl um Probleme mit dem Ein- als auch Durchschlafen oder aber zu frühes Erwachen handeln, das Schlafqualität oder –quantität beeinflusst. Eine primäre Insomnie lässt sich keinen sekundären körperlichen oder psychischen Erkrankungen zuschreiben, sie verursacht trotzdem signifikanten Leidensdruck. Dieser kann sich in sinkender Leistungsfähigkeit und psychosozialen Problemen zeigen. Die Insomnie kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen. Bei der Diagnose erfolgt zunächst ein Arztgespräch und dann eine genaue Anamnese mittels Fragebögen, Schlaftagebuch, Informationen über den genauen Tagesablauf (Aktometrie) und fallabhängig weiteren Untersuchungen. Eine Behandlung konzentriert sich auf mögliche Ursachen und Verhaltensveränderungen, die zu einer besseren Schlafhygiene führen. Unter Umständen kommt kurzfristig ein Schlafmittel zum Einsatz. Auch pflanzliche Alternativen können eingesetzt werden. Eine sekundäre Insomnie hat ihre Ursache in einer anderen Erkrankung, die ursächlich behandelt werden muss, unter Umständen muss die Symptomatik der Schlafstörung jedoch gleichzeitig therapiert werden, wenn eine reine Ursachenbehandlung nicht ausreicht.

Arten von Schlafstörungen

Die Medizin unterscheidet zwischen unterschiedlichen Formen der Schlafstörung nach genauer Art der Einschränkung der Schlafqualität und den individuellen Symptomen. Die präzise Identifizierung der Schlafstörung ist entscheidend für die weitere Vorgehensweise.

Nichtorganische Schlafstörungen

Eine nichtorganische Schlafstörung liegt vor, wenn die Schlafstörung nicht durch eine körperliche Erkrankung bedingt oder Symptom einer körperlichen Erkrankung ist.

Nichtorganische Insomnie

Im Fall einer nichtorganischen Insomnie ist diese Hauptmerkmal und benötigt eine eigenständige Therapie, eine Behandlung einer vermeintlichen sekundären Ursache lässt keine entscheidende Verbesserung erwarten. Die Schlafstörung erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und kann sich durch Probleme der Schlafqualität, -quantität oder beidem ausdrücken.

Nichtorganische Hypersomnie

Eine Hypersomnie liegt vor, wenn ein Übermaß an Schläfrigkeit oder Müdigkeit beobachtet wird. Sie kann sich in Form deutlich verlängerter Aufwachzeiten, beständiger Tagesmüdigkeit oder plötzlicher Schlafattacken zeigen. Diese sind nicht durch einen kurz- oder langfristigen Schlafmangel erklärbar. Hypersomnie kann organische und nichtorganische Ursachen haben, letztere häufig in Form psychischer Erkrankungen.

Nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus

Auch der Schlaf-Wach-Rhythmus kann im Rahmen einer nichtorganischen Schlafstörung gestört sein. Die Störung kann die Länge und Menge der Schlafepisoden betreffen, ebenso kann sie einen veränderten 24-Stunden-Rhythmus (z. B. länger oder kürzer) oder eine Umkehr von Tag und Nacht hervorrufen. Nicht immer geht mit der Störung selbst Leidensdruck einher, oft entsteht der Leidensdruck auch aus der Diskrepanz zur Gesellschaft oder deren Erwartungen.

Schlafwandeln (Somnambulismus)

Beim Somnambulismus, auch Schlafwandeln genannt, vermischen sich Schlaf- und Wachphasen. Obwohl die betroffene Person oft nicht ansprechbar ist und Reaktivität sowie Geschicklichkeit deutlich vermindert sind, verlässt sie das Bett. Oftmals werden Wanderungen durch den Wohnbereich, selten auch außerhalb unternommen, gelegentlich ahmen Betroffene Alltagstätigkeiten nach (essen, Auto fahren). Schlafwandler träumen nicht, sondern befinden sich zumeist in der Tiefschlafphase im ersten Drittel des Schlafes. Nach dem Aufwachen haben sie keinerlei Erinnerungen mehr an die nächtlichen Aktivitäten. Leidensdruck entsteht vor allem, wenn während des Schlafwandelns gefährliche Tätigkeiten ausgeführt werden oder Unfälle passieren.

Pavor nocturnus

Pavor nocturnus ähnelt äußerlich zunächst einem Albtraum, allerdings verläuft die Störung heftiger: Betroffene schreien in Panik auf und wirken extrem verängstigt, schlagen um sich, setzen sich auf oder springen aus dem Bett. Im Nachhinein sind keine oder kaum Erinnerungen an den Vorfall vorhanden.

Albträume (Angstträume)

Träume mit beängstigendem Inhalt sind nicht generell als Schlafstörungen anzusehen, können aber in Intensität und Häufigkeit Ausmaße annehmen, bei denen großer Leidensdruck entwickelt wird. Die Träume drehen sich um für Betroffene beängstigende Themen oft essenzieller, lebensbedrohender Art. Nach dem Aufwachen erinnern sich viele Menschen an diese Träume, insbesondere, wenn es sich um ständige Wiederholungen bestimmter Motive handelt. Albträume sind oft Ausdruck von Belastungen, bisweilen treten sie auch im Rahmen psychischer Krankheiten auf.

Sonstige nichtorganische Schlafstörungen

Entstehen Schlafstörungen ohne organische Ursachen, die sich nicht näher klassifizieren lassen – beispielsweise aufgrund gemischter oder besonderer Symptome – werden diese unter „sonstige nichtorganische Schlafstörungen“ zusammengefasst. Die Diagnose und Behandlung erfolgt aufgrund der individuellen Merkmale.

Schlafstörungen

Schlafstörungen können auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen auftreten und in einigen Fällen das Leitsymptom darstellen. Sie sind daher wichtig für Diagnose und Behandlung und können zudem erheblichen Leidensdruck für die Betroffenen bedeuten.

Ein- und Durchschlafstörungen

Ein- und Durchschlafstörungen können sehr vielfältige körperliche Ursachen haben. Zu ihnen zählen alle Erkrankungen, die mit chronischen oder anfallsartigen Schmerzen bei Nacht einhergehen, beispielsweise Krebserkrankungen. Aber auch viele weitere Leiden, unter anderem von Herz-Kreislauf- und Atemwegssystem sowie der inneren Organe, können ursächlich sein. Zudem kommen verschiedene Hormonstörungen infrage. Auch psychische Leiden wie psychotische Störungen, Depressionen oder Angstzustände kommen in Betracht. Die Behandlung richtet sich nach der ursächlichen Erkrankung.

Krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis

Ein krankhaft erhöhtes Schlafbedürfnis (Hypersomnie) kann im Rahmen von Substanzabhängigkeitserkrankungen auftreten. Es gehört zudem zu den häufigen Symptomen einer Infektion, insbesondere, wenn diese mit Fieber einhergeht. Eine besonders schwerwiegende Form tritt beim Kleine-Levin-Syndrom auf, diese Erkrankung ist jedoch sehr selten.

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus treten aus verschiedenen Gründen auf. Sie können durch äußere Einflüsse wie Schichtarbeit oder einen Flug über mehrere Zeitzonen hinweg (Jetlag) verursacht werden. Es kann sich aber auch um andere Gründe für unregelmäßige Schlaf-Wach-Phasen sowie das Schlafphasensyndrom mit verzögerten oder verfrühten Schlafphasen handeln. In einigen Fällen kann es zu einer Abweichung des 24-Stunden-Rhythmus dahingehend kommen, dass Betroffene in kürzeren oder längeren Abständen Schlaf benötigen. Einige Formen treten bereits in der Kindheit und Jugend auf. Leidensdruck kann einerseits aus Übermüdung durch zu wenig oder unregelmäßigen Schlaf entstehen. Andererseits kann er aber auch rein sozial durch Erwartungen des Privat- oder Berufslebens und fehlende Akzeptanz der Bedürfnisse Betroffener resultieren.

Schlafapnoe

Im Falle einer Schlafapnoe kommt es während des Schlafens zu Atemstörungen mit kurzen Atemstillständen. Sowohl die Ursachen als auch die konkrete Entstehung der Atemaussetzer sind unterschiedlich. Sie führen jedoch zu einer durch den steigenden CO2-Gehalt des Blutes bedingten Alarmreaktion des Körpers. Diese ist durch ein kurzes Aufwachen mit erneutem Atmen gekennzeichnet, an das sich Betroffene zumeist nicht erinnern. Allerdings werden die Schlafphasen unterbrochen, was zu mangelnder Erholung und teils starker Tagesmüdigkeit führt. Da nicht nur der Leidensdruck oft hoch ist, sondern auch sehr ernsthafte Erkrankungen hinter dem Auftreten von Schlafapnoen stecken können, ist eine schnelle und differenzierte Untersuchung wichtig.

Narkolepsie und Kataplexie

Sowohl bei Narkolepsie als auch bei Kataplexie handelt es sich um spontanes, für Betroffene nicht zu unterdrückendes Einschlafen. Es kommt zu starker Tagesmüdigkeit und Spontanschlafattacken. Im Falle der Kataplexie gehen diese mit einem unwillkürlichen Verlust der Muskelspannung einher, die zum Zusammenbrechen der Betroffenen führt. Es handelt sich um neurologische Störungen unterschiedlichen Ursprungs, wobei die Kataplexien zumeist durch emotionale Regungen wie Lachen ausgelöst werden. Kataplexien treten sowohl im Rahmen von Narkolepsien als auch als Symptom anderer Störungen auf. Beide können primär, aber auch sekundär beispielsweise durch Verletzungen des Hirnstamms ausgelöst werden.

Sonstige Schlafstörungen

Neben den häufigeren gibt es auch seltene Schlafstörungen, die unter den „sonstigen Schlafstörungen“ zusammengefasst werden. Zu ihnen wird auch das Kleine-Levin-Syndrom (siehe Hypersomnie) gezählt.

Restless legs syndrome

Restless-Legs-Syndrom bezeichnet eine schlafbezogene Bewegungsstörung, bei der Betroffene unterschiedlich intensiven Bewegungsdrang und Missempfindungen wie Schmerz oder Kribbeln in den Beinen spüren. Sie treten vorwiegend nachts im Liegen und bei Ruhe auf, deutlich weniger tagsüber und bei Bewegung. Zusätzlich entstehen oft unwillkürliche Bewegungen im Schlaf, die zum Aufwachen führen können. In der Folge kommt es zu teils heftigen Ein- und Durchschlafstörungen mit entsprechendem Leidensdruck. Eine genaue Ursache konnte bislang nicht ausgemacht werden, allerdings scheint der Neurotransmitter Dopamin von entscheidender Bedeutung zu sein.

Symptome & Diagnose

Als Leitsymptom von Schlafstörungen tritt, wenig überraschend, zumeist ein Schlafproblem auf. Dieses manifestiert sich in Schwierigkeiten beim Einschlafen, Durchschlafen oder einer ausreichenden Schlafdauer. Hinzu können

  • Müdigkeit
  • Tagesmüdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Leistungsabfall
  • Nervosität
  • Gereiztheit
  • Frieren
  • Schmerzempfindlichkeit
  • Stress
  • soziale und berufliche Schwierigkeiten
  • Depressionen

kommen. Es ist auch möglich, dass diese Symptome auftreten, ohne dass dem Betroffenen die Schlafprobleme bewusst sind. Dieser Fall tritt ein, wenn die Schlafphasen verschoben oder verkürzt sind, beispielsweise durch übermäßig häufiges Aufwachen, ohne dass sich der Betroffene am Morgen daran erinnern kann.

Die Diagnose wird zunächst anhand der vom Patienten geschilderten Symptome gestellt. Auch Fragebögen zum Tagesablauf, Vorerkrankungen, Medikamentierung und allen weiteren den Schlaf beeinflussenden Faktoren kommen zum Einsatz. Eine Blutuntersuchung kann mögliche hormonelle Probleme offenbaren. Je nach genauer Sachlage wird der Patient nun zu einem Spezialisten überwiesen. Infrage kommen beispielsweise Neurologe, Psychiater, Pulmologe. Ausgebildete Schlafmediziner betreuen auch die Untersuchung im Schlaflabor, bei der eine Reihe möglicher Schlafstörungen sichtbar werden können.

Verbreitung

Schlafstörungen sind sehr weit verbreitet: Bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland leiden kurz- oder langfristig unter einer Schlafstörung. Dabei wird seit vielen Jahren eine Zunahme der Schlafprobleme registriert.

Ursachen

Die Ursachen für Schlafstörungen sind ebenso vielfältig wie die Ausprägungen selbst. Zu ihnen zählen unter anderem:

  • Erkrankungen verschiedener Organe (Herz, Lunge, Gehirn)
  • hormonelle Störungen (Hypophyse, Schilddrüse)
  • Belastung und Traumata (Todesfall, Krankheit, Stress, Unfall, Verbrechen)
  • genetische Faktoren (Narkolepsie)
  • Medikamente
  • Schmerzen (unterschiedlicher Genese, akut oder chronisch)
  • psychische Erkrankungen (Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörung)
  • Lebensführung (Alkohol, Drogen, schlechte Schlafhygiene)
  • gesellschaftliche Faktoren (Medienkonsum, soziale und berufliche Erwartungen)

Aus diesem Grund ist eine sorgfältige und umfassende Diagnosestellung besonders wichtig.

Krankheitsentstehung

Die Krankheitsentstehung bei Schlafstörungen ist sehr unterschiedlich und hängt von den Ursachen der Schlafstörung ab.

Primäre und sekundäre Insomnie

In einigen Fällen verselbstständigt sich die Entwicklung einer Schlafstörung, insbesondere bei sogenannten primären Schlafstörungen. In anderen hängt sie beinahe linear von der ursächlichen Erkrankung oder Störung ab. Im Falle primärer Insomnien ist die Krankheitsentstehung nicht immer klar einzugrenzen, oft geht der Entwicklung jedoch ein einschneidendes, gewöhnlich negatives Lebensereignis voran. Die sekundäre Insomnie hingegen lässt sich über die ursächliche Problematik erklären, tritt in deren Rahmen auf und erfordert zumeist auch eine Behandlung der Ursache.

Parasomnie

Die Entstehung von Parasomnien ist bislang nicht hinreichend geklärt. Genetische Faktoren scheinen insofern eine Rolle zu spielen, als dass einige Parasomnien familiär gehäuft auftreten. Belastende Ereignisse können ebenfalls, insbesondere bei Albträumen oder Bettnässen, eine Rolle spielen. Laute Geräusche und andere Störungen wiederum wirken sich negativ auf die Häufigkeit von Schlafwandeln aus.

Therapie

Bei der Therapie von Schlafstörungen ist die genaue Art und Ursache der Schlafstörung entscheidend. Eine falsche oder ungenügende Therapie, beispielsweise aufgrund einer nicht erkannten Ursache, kann das Leiden eines Betroffenen verlängern oder sogar verstärken. In allen Fällen sekundärer Schlafstörungen ist es entscheidend, die Grunderkrankung so gut wie möglich zu behandeln oder die Beschwerden zumindest zu lindern. Bei primären Insomnien muss eine Veränderung der schädlichen Gewohnheiten herbeigerührt werden, unter Umständen kurzfristig unterstützt von einer Medikamenteneinnahme oder langfristig durch eine Psychotherapie.

Untersuchungsmethoden

Es existieren unterschiedliche Möglichkeiten der Untersuchung von Schlafstörungen. Welche genutzt werden, richtet sich meistens nach den genauen vom Patienten geschilderten Symptomen und weiteren Ein- beziehungsweise Ausschlussmöglichkeiten. Die ersten Informationen helfen im weiteren Verlauf auch dabei, den richtigen Facharzt zur Weiterbehandlung auszuwählen.

Nicht-apparative Untersuchung

Zu Beginn der Anamnese steht eine ausführliche Befragung des Patienten, idealerweise mittels Fragebögen. Hier werden alle Faktoren protokolliert, die den Schlaf beeinflussen, unter anderem Schlafgewohnheiten und –zeiten, Abendgestaltung, Bewegung, Essverhalten, konkret wahrgenommene Schlafprobleme, psychische Belastungen, Befinden tagsüber sowie Einnahme von Medikamenten und Alkoholkonsum. Zunächst können diese, unter Umständen unterstützt von einem 14-tägigen Schlaf- und Aktivitätstagebuch, wertvolle Hinweise auf viele Ursachen einer Schlafstörung geben. Steht dabei eine psychische Störung oder Belastung im Verdacht, ist eine Ermittlung dieser mit anschließender therapeutischer Behandlung hilfreich.

Apparative Untersuchungen

Je nach Beschwerdelage schließen sich weitere Untersuchungen an, insbesondere des Herz-Kreislauf- und Atmungssystems. Lungenfunktionstests und EKG helfen, diesbezügliche Erkrankungen festzustellen, beispielsweise Herzerkrankungen oder bestimmte Schlafapnoen. Um sicherzugehen, dass keine entzündliche Erkrankung, Krebserkrankung oder Hormonstörung beispielsweise der Hypophyse oder Schilddrüse vorliegt, wird ein großes Blutbild mit allen relevanten Hormon- und weiteren Werten angefertigt. Bleiben diese Untersuchungen ergebnislos, hilft ein Aktometer, das am Handgelenk getragen wird, Informationen über Dauer der Schlaf- und Wachphasen sowie deren Regelmäßigkeit zu gewinnen. Noch mehr Auskunft gibt eine Untersuchung im Schlaflabor, insbesondere über Schlafstruktur und –phasen, nächtliche Bewegung und Atmung. Auch ein unentdecktes Restless-Legs-Syndrom – häufiger als lange Zeit angenommen – kann hier identifiziert werden.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Schlafstörung können ähnliche Regeln beherzigt werden, wie sie in den Maßnahmen zur Schlafhygiene vorgeschlagen werden. Wichtig ist, schädliche Angewohnheiten möglichst rasch zu identifizieren und ihnen entgegen zu wirken, bevor sie sich verfestigen können. Hierzu zählen beispielsweise übermäßiger Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum, regelmäßig schwere Mahlzeiten am Abend oder extrem unregelmäßige Bettzeiten. Auch die Schaffung einer angenehmen Schlafatmosphäre sowie ein ausreichender Abstand zwischen Arbeit und Schlaf sind wichtig.

Verhaltenstherapeutische Techniken

Regeln der Schlafhygiene

Schlafhygiene fasst grundsätzlich viele verschiedene Aspekte zusammen, die einen erholsamen Schlaf ermöglichen sollen. Sie betreffen sowohl die Umgebung als auch die Bedingungen, unter denen ungestörtes Schlafen möglich ist und beziehen dabei soziale Faktoren ebenso wie körperliche und räumliche ein. Zudem geben die Regeln der Schlafhygiene Anhaltspunkte für eine günstige Abendgestaltung.

Strukturierung der Schlaf-Wach-Rhythmus

Mit den Maßnahmen der Schlafhygiene überschneidet sich die Strukturierung des Schlaf-Wach-Rhythmus zur besseren Gewöhnung des Körpers an die regelmäßige Entwicklung von Müdigkeit. Dazu gehören Stimuluskontrolle, also das Binden des Schlafreizes an das Bett, das umgekehrt nicht für andere Tätigkeiten genutzt werden sollte – Sex ausgenommen. Ebenso kann Schlafrestriktion, also die zunehmende Verkürzung des Schlafes verwendet werden. Durch diese Technik sollen lange Wachliegezeiten im Bett vermieden und Schlafdruck aufgebaut werden. Sie gilt jedoch als umstritten.

Reduktion nächtlicher Grübeleien durch kognitive Techniken

Da Grübeln und Wachliegen bei vielen Menschen mit Insomnie eng verknüpft sind, lohnt es sich hier anzusetzen. Dabei wird das oft antrainierte Nachdenken im Bett einerseits wieder von diesem getrennt, andererseits auch das generell unproduktive Grübeln an sich bekämpft. Unterschiedliche Techniken – zumeist in professionellem Rahmen erlernt – können dabei helfen.

Schlafstörungen Medikamente

Bei Schlafstörungen werden häufig Medikamente und Pflanzenpräparate genutzt, die eine schlaffördernde Wirkung aufweisen.

Schlafstörungen Medikamente rezeptfrei

Bei rezeptfreien Schlafmittel im Einsatz gegen Schlafstörungen handelt es sich zumeist um pflanzliche Präparate oder Antihistaminika.

Vorteile

  • Pflanzliche Präparate haben geringe Nebenwirkungen und können auch langfristig eingesetzt werden.
  • Weder Antihistaminika noch pflanzliche Präparate sind suchterzeugend.

Nachteil

  • Antihistaminika verändern die Schlafarchitektur und führen oft zu Tagesmüdigkeit.
  • Die Wirkung pflanzlicher Präparate ist wenig intensiv.

Geeignet für

Leichte Schlafstörungen, die nicht oft auftreten, oder schwerere Schlafstörungen in Kombination mit anderen Maßnahmen. Patienten, die aufgrund einer Abhängigkeitsvergangenheit oder anderen Risikofaktoren keine stärkeren Medikamente einnehmen dürfen.

Schlafstörungen Medikamente rezeptpflichtig

Oft werden von Ärzten rezeptpflichtige Schlafmittel verschrieben, zumeist aus der Gruppe der Benzodiazepine oder der Z-Medikamente.

Vorteil

  • Medikamente aus diesen Gruppen wirken schnell und zuverlässig, sie sind gut verträglich und haben vergleichsweise wenige Nebenwirkungen.

Nachteil

  • Sowohl von Ärzten als auch Patienten werden Medikamente oft als bequemere Alternative betrachtet, eine Auseinandersetzung mit der Ursache der Schlafstörung und eine Veränderung der Schlafhygiene bleiben aus.
  • Medikamente aus diesen Gruppen haben ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial schon nach kurzer Zeit.

Geeignet für

Kurzfristigen Einsatz bei / nach einem Trauma oder einer Belastung oder um den Teufelskreis einer schweren Schlafstörung zu unterbrechen.

Schlafstörungen Hausmittel

Neben pflanzlichen Präparaten wünschen sich Betroffene oft ein einfaches Hausmittel, mit dem sie einer Schlafstörung begegnen können. Beliebte Hausmittel sind beispielsweise heiße Milch mit Honig oder ein heißes Fußbad mit beruhigendem Lavendel.

Vorteil

  • Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten, die Bestandteile sind oft bereits im Haushalt vorhanden.

Nachteil

  • Die Wirkung ist gewöhnlich nur schwach ausgeprägt.

Geeignet für

Leichte und nur sehr gelegentliche Schlafstörungen oder als Einschlafhilfe bei Stress, ungeeignet für bereits länger bestehende oder schwerere Schlafstörungen.

Fragen

Rund um die Entstehung, Diagnose und Behandlung stellen sich Betroffene viele Fragen, die es möglichst gründlich mit einem Facharzt zu besprechen gilt, um ein besseres Verständnis für die eigene Erkrankung zu entwickeln.

Was tun bei Schlafstörungen?

Von Schlafstörungen Betroffenen empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  1. Beginn und Art der Schlafprobleme identifizieren.
  2. Lebensumstände nach Faktoren sichten, die dem Schlaf abträglich sind.
  3. Regeln der Schlafhygiene kennen lernen und so weit wie möglich beherzigen.
  4. Pflanzliche Präparate in ausreichender Dosierung zur Unterstützung nutzen.
  5. Einen Arzt aufsuchen und Ursache sowie Behandlung differenziert abklären lassen.

Schlafstörungen wann zum Arzt?

Vereinzelt schlecht zu schlafen ist normal und hat keinen Krankheitswert. Der Körper gleicht einzelne schlechte Nächte gewöhnlich rasch wieder aus. Hält die Schlafproblematik jedoch mehr als einen Monat an und betrifft sie drei oder mehr Nächte in der Woche, wird von einer Schlafstörung gesprochen. Erweisen sich eigene Maßnahmen im Rahmen der Schlafhygiene als wirkungslos, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das trifft auch zu, wenn keine Schlafstörung wahrgenommen wird, aber beständig Tagesmüdigkeit und Erschöpfung auftreten – hier kann eine unerkannte Schlafstörung vorliegen. Ebenfalls als Warnzeichen sind weitere Symptome, beispielsweise des Herzens oder Kreislaufs, Gewichtsabnahme, Schmerzen oder starke Stimmungsveränderungen zu betrachten. Hier ist die Ermittlung der Ursache besonders wichtig, denn hinter Schlafstörungen können sich weitere ernsthafte Erkrankungen verbergen.