Biphasischer Schlaf

Biphasischer Schlaf bezeichnet ein Schlafmuster, das zwei drei- bis vierstündige Einheiten innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums beinhaltet.

Was ist biphasischer Schlaf?

Möglicherweise kennst du jemanden oder machst es sogar selber: Die halbe Nacht schlafen, ein paar Stunden wach sein und dann wieder ein paar Stunden schlafen. Mit diesem zwar weniger bekannten aber nicht seltenen Schlafmuster bist du nicht allein. Es nennt sich biphasischer Schlaf und ist sowohl historisch weit verbreitet als auch natürlich.

Unsere Vergangenheit deutet darauf hin, dass, bevor Strom Standard im Haushalt war, viele Menschen ein biphasisches Schlafmuster hatten. Sie gingen bei Einbruch der Dunkelheit ins Bett, verbrachten gegen Mitternacht dann mehrere Stunden wach und legten sich für den Rest der Nacht wieder schlafen.

Wie häufig ist biphasischer Schlaf?

Diese Art von Schlaf ist überraschend häufig: Untersuchungen zeigen, dass bis zu 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zwei Schlafzyklen pro Nacht durchläuft, was einem biphasisches Schlafmuster entspricht.

Biphasischer Schlaf, damals und heute

Historisch gesehen wurde die Mitternachtspause zwischen den Schlafphasen zum Lesen, Lernen, Essen und Geschlechtsverkehr genutzt. Bezüge zum biphasischen Schlaf finden sich in der Literatur der Renaissance: In The Canterbury Tales, aus dem 14. Jahrhundert, erzählt eine Person, dass sie nach ihrem ersten Schlaf ins Bett zurückkehren wird. Virginia Tech-Historiker Roger Ekirch weist darauf hin, dass es über 500 literarische Referenzen auf ein zweiphasiges Schlafmuster vor der industriellen Revolution gibt. Andere Forschungen deuten darauf hin, dass Menschen, die nur natürliches Licht verwenden, in ein biphasisches Schlafmuster fallen können.

Heute folgen einige Orden von Mönchen und Schwestern einer Praxis, bei der sie mitten in der Nacht zum Gebet aufwachen. Diese regelmäßigen Gebete, die Matins genannt werden, unterbrechen die Nacht und schaffen im Wesentlichen ein biphasisches Muster für Praktizierende. Einige Muslime folgen einem ähnlichen Muster, sie wachen mitten in der Nacht zum Beten auf und kehren dann bis zum Morgen in den Schlaf zurück. Schlafstudien zeigen, dass Menschen, die diesen Praktiken folgen, während dieser beiden Schlafphasen einen gesunden Schlafzyklus durchlaufen.

Birgt biphasischer Schlaf Risiken?

Biphasischer Schlaf ist nicht bedenklich für die allgemeine Gesundheit. Viele Menschen mit einem biphasischen Schlafmuster erhalten genügend Schlaf und erleben keine Tagesmüdigkeit. Allerdings kann das Erwachen um Mitternacht Unbehagen auslösen, da die Betroffenen Angst vor Schlaflosigkeit bekommen.

Einige Schlafexperten glauben, dass biphasische Schlafmuster zur Diagnose von „künstlicher“ Schlaflosigkeit führen können – mit anderen Worten, Menschen mit natürlichen biphasischen Schlafmustern können irrtümlich glauben, dass sie an Schlaflosigkeit leiden, und suchen nach Behandlungen, die sie nicht brauchen.