Leichtschlaf

Leichtschlaf beschreibt eine Phase unseres Schlafs, die in zwei Formen (Stufe 1 und Stufe 2) auftritt. Sie ist eine Nicht-REM-Periode (Non-Rapid-Eye-Movement) des Schlafes und unterscheidet sich vom Tiefschlaf der Stufe 3. Der Leichtschlaf in Stufe 1 macht nur einen kleinen Teil der gesamten Schlafzeit (ca. 3 %) aus und ist hauptsächlich ein Übergang zwischen Wach- und Schlafzustand, sprich eine Einschlafphase. Der Großteil leichten Schlafs tritt in Stufe 2 zwischen Tiefschlafphasen auf. Erwachsene verbringen mehr als die Hälfte ihrer Nächte im leichten Schlaf.

Wenn sich jemand im Schlaf bewegt oder spricht, befindet er sich höchstwahrscheinlich in der Leichtschlaf-Phase. Herz- und Atemfrequenz sind niedriger als im Wachzustand. Stufe 1 zeichnet sich durch langsame Augenbewegungen aus und beschreibt den Übergang in oder aus dem Schlaf.

Auf einem EEG ist die Stufe 2 durch Spindeln mit einer Frequenz von 12 bis 16 Hz gekennzeichnet, die in kurzen Impulsen auftreten. Darauf folgen sogenannte K-Komplexe. Der Leichtschlaf wird deswegen auch Kurzwellenschlaf genannt.

Der Leichtschlaf verdankt seinen Namen der Tatsache, dass Menschen besonders leicht aus diesem Zustand aufzuwecken sind. Bereits leichte externe Reize wie Lärm, Temperatur, Berührung und Bewegung können uns hier aus unserem Schlummern reißen. Wenn Menschen aus dem Schlaf der Stufe 2 erwachen, erinnern sie sich häufig nicht, dass sie überhaupt geschlafen haben oder behaupten, sie seien bereits wach gewesen. Wenn du aus der Stufe 2 erwachst, fühlst du dich weniger müde als bei Erwachen aus dem REM- oder Tiefschlaf.

Wenn du im Leitschlaf träumst und aufwachst, erinnerst du dich nicht an zusammenhängende Abläufe. In dieser Phase sind es meistens nur Fragmente von Bildern und anderen Hirnanomalien wie Erinnerungen oder Emotionen. Es sind keine erzählerischen Geschichten, wie sie bei Träumen im REM-Schlaf üblich sind.

Leichtschlaf beim Menschen

Babys verbringen kaum Zeit im Leichtschlaf. Die Schlafspindeln, die den Schlaf der Stufe 2 charakterisieren, zeigen sich erstmals ab einem Alter von sechs bis acht Wochen. Während das Kind heranwächst, verbringt es immer mehr Zeit im Leichtschlaf. Jugendliche verbringen 3,5-5 Stunden pro Nacht im leichten Schlaf. Menschen im mittleren Lebensalter erleben oft eine Verringerung des Tiefschlafes; die zusätzliche Zeit wird entweder im Leichtschlaf verbracht oder entfällt, was die gesamte Schlafzeit verkürzt.

Leichtschlaf wird subjektiv als weniger erholsam empfunden als Tiefschlaf oder REM-Schlaf. Daher beschweren sich ältere Menschen oft über ihre abnehmende Schlafqualität.

Ist Leichtschlaf unwichtig?

Nein. Leichtschlaf ist nützlich und ein wichtiger Teil des zirkadianen Rhythmus und der Schlafarchitektur. Der Körper ruht während des leichten Schlafes aus und es kommt zur Zellreparatur, wenn auch nicht im gleichen Maße wie im Tiefschlaf. Das Gedächtnis wird im leichten Schlaf „gesichert“.

Neurowissenschaftler vermuten, dass das Gehirn in der Stufe 2 Erinnerungen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis überträgt, was diese Form des Schlafes für das Lernen unerlässlich macht. Die „Schlafspindeln“, die sich bei EEG-Messungen im Leichtschlaf zeigen, sollen die Übertragung von Fakten und Erinnerungen von einem Abschnitt des Gehirns auf einen anderen zeigen.

„Schlafqualität“ ist in wissenschaftlichen Kreisen nicht wirklich definiert – manchmal steht dieser Begriff zusammenfassend für den prozentualen Anteil der Zeit, die im Tiefschlaf und REM-Schlaf verbracht wird. Diese Kategorisierung stellt den Leichtschlaf fälschlicherweise als qualitativ minderwertigen  Schlaf dar.

Es ist richtiger zu sagen, dass wahrlich qualitativer Schlaf eine hohe Effizienz (wenig oder kein nächtliches Erwachen) und eine gute Verteilung auf die verschiedenen Phasen des Schlafes aufweist. Da es für Menschen einfach ist, in leichten Schlaf zu fallen (einfacher, als in Stufe 3 und REM-Schlaf zu gelangen), verbringt das alternde Gehirn mehr Zeit im leichten Schlaf. Es ist dieses Ungleichgewicht und der Mangel an Tiefschlaf, den die Menschen mit zunehmendem Alter oft als schlechte Schlafqualität empfinden.

Gibt es „Leichtschläfer“?

Leichte und schwere Schläfer sind Beschreibungen dafür, wie wahrscheinlich es ist, dass Menschen aufgrund äußerer Reize erwachen. Das liegt aber nicht daran, dass diese Menschen mehr Zeit im Leichtschlaf verbringen. Sie reagieren über alle Schlafphasen hinweg sensibler auf externe Reize.