Schlafphasen

Medizinisch gesehen wurde dem Schlaf lange wenig Bedeutung beigemessen. Zwar war bekannt, dass zu wenig Schlaf gesundheitlichen Schaden anrichtet, er wurde aber nur als Ruhezustand wahrgenommen. Die gängige Ansicht bestand darin, dass alle neurologischen und physiologischen Aktivitäten – Blutdruck, Stoffwechsel, Verdauung, Muskeltonus, Gehirnaktivität etc. – stark reduziert sind.

Dass es sich um einen anderen als den wachen Zustand handelt – und nicht etwa um bloße „Bewusstlosigkeit“ – wurde erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts entdeckt. Erst die Entwicklung der elektrischen Hirnstrommessung (Elektroenzephalogramm, EEG) durch den Jenaer Neurologen Hans Berger brachte die Forschung weiter. Nun konnte Gehirnaktivität im Schlaf gemessen werden und Schlafforscher in Chicago nutzten das EEG 1953, um die Existenz unterschiedlicher Phasen mit unterschiedlich starken Hirnstromaktivitäten nachzuweisen.

Arten von Schlaf

REM-Schlaf

Der REM-Schlaf bezeichnet eine Schlafphase, die durch rasche Augenbewegungen unter den Lidern gekennzeichnet ist (rapid eyes movement). Auch hinsichtlich anderer physiologischer Merkmale wie Adrenalinausschüttung, Herzschlag, Atmung und Gehirnströme unterscheidet sich diese Phase erheblich von den übrigen Schlafphasen. Die genannten Merkmale sprechen für eine starke Aktivität des Gehirns, die sich auch in intensiven und im Nachhinein oft gut erinnerten Träumen niederschlägt. Es kommt ebenfalls häufig zu nächtlichen Erektionen. Die Funktion des REM-Schlafs ist noch nicht vollständig geklärt, möglicherweise kommt ihm eine Rolle in der Regeneration des Gehirns und der Nerven sowie der Funktion des Gedächtnisses zu.

Non REM-Schlaf

Im Gegensatz zum REM-Schlaf steht der N-REM- oder Non-REM-Schlaf, der sich aus mehreren Stadien unterschiedlicher Tiefe zusammensetzt. Während Schlafende in den leichten Stadien zu Beginn einer Schlafperiode noch einfach aufzuwecken sind, fällt dies in den folgenden Formen zunehmend schwerer. Physiologische Merkmale wie Herzschlag und Atmung bewegen sich innerhalb der Phase mehr und mehr hin zu geringerer Aktivität. Der N-REM-Schlaf nimmt bei Erwachsenen bis zu 70 % der Gesamtschlafzeit ein und bildet gemeinsam mit dem REM-Schlaf einen Schlafzyklus.

Nächtliche Zyklen

Die Phasen laufen nicht wahllos und nicht nur einmal während eines Nachtschlafs ab. Sie finden mehrfach statt und unterscheiden sich in Länge und Häufigkeit. Zu Beginn steht gewöhnlich die erste Phase (N1) des N-REM-Schlafes, die durchschnittlich sieben Minuten dauert, bevor sie in die zweite Phase (N2) übergeht – die Person ist eingeschlafen. Das Bild im EEG zeigt ein sogenanntes Mischfrequenzmuster, das sich nach und nach zu Gehirnwellen höherer Amplitude und niedrigerer Frequenz hin verändert. Die Übergangsphase selbst dauert nur wenige Sekunden. Die zweite Phase nimmt im Durchschnitt 10-25 Minuten in Anspruch, gefolgt von N3. Diese wird als Tief- oder Deltaschlaf bezeichnet, da sie stark von den langsamen Deltawellen geprägt wird. Im Laufe dieses Prozesses reagiert das Gehirn zunehmend weniger auf äußere Einflüsse wie Geräusche oder Berührungen. Daher ist es zunehmend mühsamer, die schlafende Person zu wecken. Dieser Zustand nimmt wiederum 20-40 Minuten in Anspruch. Es folgt die REM-Schlafphase.

Innerhalb einer durchschnittlichen Schlafdauer von 6-9 Stunden wiederholen sich diese Zyklen mehrfach, wobei die schlafende Person oft kurzzeitig erwacht, häufig ohne später Erinnerungen daran zu haben.

Wechsel der Schlafmuster

Die genaue Anzahl und Dauer der vorgenannten Stadien ist von Person zu Person verschieden und von mehreren Faktoren abhängig. Zu ihnen zählen:

  • Alter
  • Länge der vorangegangenen Schlafperioden
  • Länge des letzten Wachzustands
  • Tageszeit und Gewohnheit (z. B. bei Schichtarbeitern)
  • Bewegung
  • Stress
  • Erkrankungen (psychische Erkrankungen, Nervenerkrankungen, Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen, Schlafkrankheit etc.)
  • Umweltbedingungen: Temperatur, Licht, „Mitschläfer“ (Partner, Kinder)
  • Substanzen: Medikamente, Drogen, Alkohol, Koffein
  • Individuelle Unterschiede

Alter

Die Schlafphasen sind, je nach Alter, verschieden lang und unterschiedlich angeordnet.

REM-Schlaf Baby

Neugeborene Kinder schlafen bis zu 18 Stunden täglich, wobei alle drei bis vier Stunden eine wache Phase auf einen Schlafzyklus folgt. Dieser beginnt mit der REM-Phase, die bei Kleinkindern deutlich ausgeprägter und zur Verarbeitung der täglichen Außenreize notwendig ist.

Insgesamt nimmt ein Zyklus ca. 50-60 Minuten in Anspruch, während es bei Erwachsenen durchschnittlich 90 Minuten sind, bis der REM-Schlaf folgt. Diese Zeit bleibt bis zum Lebensende ungefähr gleich, allerdings ändern sich die Anteile mit zunehmendem Alter. Während Jugendliche noch sehr viel Zeit im Tiefschlaf verbringen, werden dessen Phasen mit zunehmendem Alter geringer. Trotzdem sollten die REM- und die Tiefschlafphasen nicht zu gering ausgeprägt sein. Ist dies der Fall und empfinden Betroffene beständig Müdigkeit, handelt es sich womöglich um eine behandlungsbedürftige Schlafstörung, die einer medizinischen Abklärung bedarf.

Quantität & Qualität

Der Schlaf der vorangegangenen Nächte wirkt sich ebenfalls auf die Schlafphasen aus. War dieser von schlechter Qualität oder zu kurz, schlafen viele Menschen in der darauffolgenden Nacht automatisch länger. Werden häufiger ganze Schlafperioden ausgelassen oder ist der Schlafrhythmus dauerhaft unregelmäßig, verändern sich Länge und Häufigkeit der Schlafphasen, speziell des REM-Schlafs. Der Körper versucht, den fehlenden REM-Schlaf in den Folgetagen aufzuholen. Entfällt der REM-Schlaf über einen längeren Zeitraum vollständig, beispielsweise aufgrund von Schlafstörungen, können auffälliges Verhalten, Konzentrationsprobleme, gesteigerter Hunger und Gedächtnisprobleme auftreten. Aber auch der N-REM-Schlaf zeigt längere und tiefere Phasen, die der physischen Regeneration dienen. Bei dauerhaften Schlafstörungen können die Schlafphasen in veränderter Reihenfolge auftreten.

Drogen / Chemikalien

Drogen, Medikamente und Alkohol können Auswirkungen auf die Schlafarchitektur haben.

Medikamente

Unter den Medikamenten sind es insbesondere Psychopharmaka, die diese beeinflussen. Zu ihnen zählen beispielsweise Benzodiazepine, die kurzfristig wenig Probleme verursachen, langfristig aber zu Verlängerung der N1- und N2-Phase sowie Verkürzung der N3- und REM-Phase führen. Dabei kommt es mitunter zur Ausbildung eines REM-Rebounds, bei dem die REM-Phasen stark verlängert sind. Dasselbe gilt für die sogenannten Z-Drugs (z. B. Zopiclon). Auch bestimmte Antipsychotika und Antidepressiva können die Schlafqualität und –quantität beeinflussen. Ebenso können sich bestimmte Antihistaminika wie Doxylamin auf die Schlafphasen auswirken.

Wachheit und verkürzte Schlafdauer können ebenfalls medikamenteninduziert auftreten. Hierbei sind vor allem einige Antibiotika, orale Verhütungsmittel, Betablocker, Schilddrüsenhormone und ebenfalls Antidepressiva von Bedeutung.

Drogen / Alkohol

Im Falle von Drogen spielen besonders Aufputschmittel (Sympathomimetika) wie Amphetamine, inklusive Kokain, eine Rolle. So können sie unter anderem zum Ausbleiben des Schlafes oder einzelner Schlafphasen, besonders des REM-Schlafes führen.

Alkohol, in mittleren bis großen Mengen konsumiert, wirkt sich nachteilig auf den Schlafrhythmus aus. Zwar werden die früheren Phasen zumeist beschleunigt, was ein rasches Einschlafen zur Folge hat. Allerdings kann der REM-Schlaf gestört sein, sodass später häufigeres Aufwachen auftritt und die Gesamtschlafdauer verkürzt ist. Erst wenn der Alkohol von der Leber abgebaut ist, normalisieren sich Länge, Anzahl und Reihenfolge der Schlafphasen.

Koffein

Koffein, speziell kurz vor dem Schlafen konsumiert, kann eine Verkürzung der Tiefschlaf- sowie der REM-Schlafphase verursachen. Die Empfindlichkeit ist individuell unterschiedlich, auf Dauer sind Erschöpfung und weitere Symptome möglich, die auf einen Mangel erholsamen Schlafes hindeuten.

Fragen

Wie lange soll die Tiefschlafphase sein?

Die Tiefschlafphase N3 dauert gewöhnlich 20 bis 40 Minuten – diese Spanne stellt einen Durchschnitt dar. Für Kinder gelten längere, für Menschen höheren Alters kürzere Tiefschlafphasen als normal. Insgesamt dauern die Phasen N1-N3 ungefähr 90 Minuten, dann tritt der REM-Schlaf ein – diese Zeit wird als REM-Latenz bezeichnet.