Saisonale affektive Störungen

Leichte Stimmungsschwankungen und ein kleines emotionales Tief sind im Winter aufgrund der kurzen Tage und des damit verbundnen Mangels an Sonnenlicht nichts außergewöhnliches. Einige Menschen leiden jedoch unter einer ausgeprägten Form dieses Phänomens - einer saisonalen Form der Depression, die ihre Laune, Gewicht, Energieniveaus und ihren Schlaf beeinträchtigt. Saisonale affektive Störungen betreffen 4% bis 6% der Bevölkerung.

Was ist die Saisonale affektive Störung

Für die meisten Menschen tritt die saisonale affektive Störung (SAS) auf, wenn die Tage im Winter kürzer werden. 3 % der Bevölkerung weisen eine SAS im Winter auf, fast 7 % aller Menschen mit Depressionen klagen im Winter über verstärkte Symptome.

Diese Form der leichten bis mittelschweren Depression hängt mit der zunehmenden Dunkelheit und dem niedrigeren Sonnenstand am Himmel zusammen. Bei der Mehrheit aller Betroffenen beginnen und enden die Symptome jedes Jahr zur gleichen Zeit (mit dem Wechsel der Jahreszeiten im Spätherbst oder im Frühjahr). Dies wird als Winterdepression bezeichnet. Seltener kommt es zu einer umgekehrten oder im Sommer beginnenden Störung.

Symptome einer saisonalen affektiven Störung

Menschen mit SAS erleben die folgenden Symptome einer Depression über einen Zeitraum von etwa 5 Monaten (über die gesamte Winterzeit):

  • Niedriges Energieniveau
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • leichte bis mittlere Depression
  • Verlust des Interesses an ehemals genussvollen Aktivitäten
  • Appetit- und Gewichtsveränderungen
  • Schlafstörungen
  • Trägheit
  • Unruhe

Symptome einer Winterdepression

  • Zu langes Schlafen (Hypersomnie)
  • Erhöhtes Verlangen nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln
  • Gewichtszunahme
  • Erhöhte Trägheit
  • Erhöhte Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit (Schwierigkeiten mit anderen zurechtzukommen)
  • Erhöhte Empfindlichkeit, insbesondere bei Ablehnung
  • Schweregefühl in Armen und/oder Beinen

Symptome einer Sommerdepression

  • Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen (Insomnie)
  • Reduzierter Appetit
  • Gewichtsabnahme
  • Erhöhte Angstzustände

Um mit SAS diagnostiziert zu werden, muss eine Person Symptome in der Winter- oder Sommersaison mit einer deutlich erhöhten Intensität aufweisen. Wechselnde Jahreszeiten können auch Personen mit bipolarer Störung betreffen, die in den Herbst- und Wintermonaten Depressionen und im Frühjahr und Sommer Manie hervorrufen.

Ursachen für saisonale affektive Störungen

Der zirkadiane Rhythmus des Körpers hängt zu einem großen Teil vom Sonnenlicht ab. Eine Studie ergab, dass Personen mit SAS möglicherweise lichtempfindlicher sind als andere, insbesondere im Winter. Wenn die Sonneneinstrahlung im Winter abnimmt, kommt es bei Personen mit SAS zu Störungen der biologischen Uhr, die die Serotonin- und Melatoninproduktion des Körpers stören.

Serotonin und Melatonin spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der Stimmungs- und Schlafmuster und werden beide von den Veränderungen des Lichts beeinflusst, die SAS verursachen. Serotonin wird über den Tag ausgeschüttet und ist für das Wachwerden und Wachbleiben zuständig. Sobald es dunkel wird, senkt sich der Serotoninspiegel und es wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet, das auch als Schlaf-Hormon bekannt ist. Ein wichtiger Baustein für Serotonin ist das Vitamin D, das bei kürzeren Tageszeiten weniger vom Körper produziert wird. Niedrigere Vitamin D-Werte korrelieren mit weniger Energie und erhöhter Müdigkeit.

Personen mit SAS haben im Winter eine verlängerte Melatoninproduktion als im Sommer. Aufgrund der Dunkelheit folgert der Organismus, dass es Zeit zum Schlafengehen ist und beginnt die Melatoninproduktion früher als notwendig. Weil es im Winter morgens ebenfalls weniger direktes Sonnenlicht gibt, hält es den Melatoninspiegel höher, als er zu Tagesbeginn sein sollte, was zusätzlich für Trägheit durch den Tag hinweg führt.

Personen mit Sommerbeginn SAS erleben das umgekehrte Problem. Im Sommer gibt es mehr Licht, sodass sich die Melatoninproduktion später als normal beginnt, was zu den Einschlafproblemen führen kann.

Risikofaktoren für saisonale affektive Störungen

Obwohl der saisonale Wechsel des Sonnenlichts Ursache für die SAS ist, gibt es bestimmte Risikofaktoren:

  • Es gibt eine gewisse Tendenz, dass SAS vererbt wird. Zwei Drittel der Menschen mit affektiven Störungen in ihren Familien haben ebenfalls SAS.
  • Nachteulen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit an SAS zu erkranken.
  • Menschen mit Depressionen oder bipolaren Störungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich die Symptome während des Jahreszeitenwechsels verschlimmern.
  • Jüngere Menschen erleben eher eine Winterdepression als ältere Menschen.
  • Insgesamt ist die SAS bei Menschen, die weiter vom Äquator entfernt leben, aufgrund entsprechend extremer Unterschiede in der Länge der Sonneneinstrahlung häufiger anzutreffen.

2012 untersuchten und verglichen Forscher das Schlafverhalten von Menschen aus Ghana (5 Breitengrade über dem Äquator) mit denen in Norwegen (69 Breitengrade über dem Äquator). Sie wollten wissen, wie sich die extremen Schwankungen des Sonnenlichts in Norwegen, im Vergleich zu den geringen Schwankungen in Ghana auswirkten. Dabei waren die Ergebnisse eindeutig: Die Norweger gingen im Winter früher ins Bett und schliefen länger, während sie im Sommer früher aufwachten und später ins Bett gingen. Im Gegensatz dazu gab es für die Ghanaer keine saisonalen Unterschiede.

Saisonale affektive Störung und Schlafprobleme

SAS verursacht oder verschlimmert viele Schlafprobleme. Schlafstörungen sind oft eines der ersten Warnzeichen für Depressionen, daher ist es naheliegend, dass sie von SAS begleitet werden. Eine Studie aus dem Jahr 2016 mit finnischen Erwachsenen berichtete über die Häufigkeit von Schlafstörungen bei Personen mit SAS:

SchlafstörungenAnteil der Menschen betroffen von SASAnteil der Gesamtbevölkerung
Schlaflosigkeit25 % 7,6 %
Häufige Alpträume16 %2,4 %
Hypnotischer Konsum im letzten Monat 26,3 %7,6 %
Diagnose einer Depression im letzten Jahr30,4 %4,1 %
Antidepressiva-Nutzung im letzten Monat 24,3 % 3,6 %

  • Die größten Schlafprobleme für Menschen mit SAS sind Hypersomnie, Schlaflosigkeit oder beides. Allerdings tritt Hypersomnie häufiger auf und betrifft bis zu 80% der Menschen mit SAS.
  • Selbst wenn Menschen mit einer saisonalen affektiven Störung ausreichend schlafen, ist der Schlaf oftmals nicht erholsam genug. Studien zeigen, dass bei SAS die Schlafeffizienz abnimmt.

Behandlung von saisonalen affektiven Schlafstörungen

Für viele Menschen mit SAS verschwinden die Symptome mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es jedoch einige Dinge, die man tun kann:

Therapien

Therapien wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I) können bei Schlaflosigkeit hilfreich sein. Dabei arbeitet der Therapeut mit dem Patienten daran, Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu erkennen, die das Einschlafen behindern, sodass diese durch bessere Gedanken und neue Gewohnheiten ersetzt werden können, die den Schlaf fördern.

Die Lichttherapie (bei Winterdepressionen) - Die Belichtung mit künstlichem Licht - funktioniert bei dieser Art von Depression sehr gut. Morgens sitzen die Patienten 30 bis 60 Minuten vor einem Lichtschirm, der eine tageslicht-ähnliche Helligkeit von 10000 Lux hat. Dadurch wird das Gehirn zur Ausschüttung von Seratonin angeregt.

  • Viele Lichttherapie-Lampen sind kompakt, passen auf jeden Schreibtisch und können während der Arbeit oder beim Abendessen benutzt werden. Es gibt sogar tragbare Optionen, bei der ein Licht mit einem tragbaren Visier verbunden ist.
  • Einige Lichttherapiegeräte dienen gleichzeitig als Wecklicht oder "Dämmerungssimulator". Statt eines Wecktons wir das aufgehende Sonnenlicht simuliert.

Es können auch intelligente Leuchten im ganzen Haus verwenden werden, um mehr oder weniger Sonnenlicht zu simulieren, unabhängig davon, wie das Wetter draußen ist. So wird beispielsweise das Philips Hue LED Smart Bulb Starter Kit mit mehreren Sonnensimulationen vorinstalliert.

Verhaltensänderungen

Äquivalent zur Lichttherapie, kann man auch einfach mehr Zeit im Freien verbringen. Vor allem morgens kann dies die zirkadiane Uhr zurücksetzen. Es sollte versucht werden sooft wie möglich sich dem natürlichen Licht auszusetzen.

Eine Studie über Büroangestellte ergab, dass diejenigen, die in der Nähe von Fenstern arbeiteten, aufgrund ihrer höheren Tageslichteinwirkung einen besseren Schlaf hatten.

Bei einer Sommerdepression sollte genau das Gegenteil getan werden. Dunkle Vorhänge und eine Sonnenbrille helfen dabei.

Mind-Body-Techniken

Zusätzlich zur normalen Therapie finden es einigen Menschen mit SAS hilfreich, Mind-Body-Techniken zu nutzen. Dabei helfen Sportarten wie Yoga, aber auch  Meditation und Visualisierungstechniken erweisen sich als hilfreich. Musik- und Kunsttherapie kann auch bei der Linderung saisonaler Depressionen, insbesondere bei älteren Erwachsenen, wirksam sein.

Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente

Melatonin-Ergänzungsmittel gelten als ein Weg, um den Schlaf zu erleichtern und den Melatoninspiegel wieder auszugleichen. Eine Studie aus dem Jahr 2006 ergab, dass die Einnahme von Melatonin am Morgen oder Nachmittag dazu beitrug, die biologische Uhr für Personen mit SAS zurückzusetzen. Das Gefühl der Depression nahm um 34 Prozent ab.

Ärzte, deren Patienten SAS haben, verschreiben oft Antidepressiva und SSRIs, um den Serotoninspiegel zu erhöhen. Wenn eine Person bereits Medikamente einnimmt, kann ihr Arzt empfehlen, die Dosis in den Herbst- und Wintermonaten zu erhöhen.

Zu den natürlichen Antidepressiva gehören Vitamin D-Präparate und Johanneskraut. Erkundige dich immer bei deinem Arzt, bevor du ein anderes Präparat einnimmst, da es negativ auf andere Medikamente oder Symptome wirken kann.

Andere Naturheilmittel sind CBD-Öl und die Aromatherapie. Frühe Studien zeigen, dass CBD-Öl das Potenzial hat, sowohl Angstzustände zu lindern als auch den Schlaf zu stabilisieren. Wie Johanniskraut kann CBD-Öl mit anderen Medikamenten interagieren, daher ist es am besten, mit dem Arzt zu sprechen, bevor du CBD-Öl verwendest.

Die Aromatherapie verwendet pflanzliche ätherische Öle, um den Geruchssinn zu aktivieren. Menschen mit Schlaflosigkeit und Ängsten, die in erster Linie von der SAS betroffen sind, haben die beruhigende Wirkung von Lavendel bei der Linderung ihrer Symptome als besonders hilfreich empfunden.

Zusätzliche Ressourcen