Definition von Schlaf

Das gesellschaftliche Verständnis von Schlaf basiert auf einer Verhaltensdefinition. Sie ist wissenschaftlich gesehen nicht zutreffend, aber sie ist einfach: Eine Person schläft, wenn sie nicht auf externe Signale reagiert (z.B. Audio-visuelle Reize). Die meisten Personen schlafen mit geschlossenen Augen und befinden sich in einer entspannten Körperlage.

Ausnahmen dieses Verhaltensmusters sind, wenn der Schläfer über einen längeren Zeitraum nicht aufwacht (im Koma liegt) oder wegen eines Traumas bewusstlos ist, wie z.B. durch einen Schlag gegen den Kopf. Ohnmacht ist von außen leicht mit natürlichem Schlaf zu verwechseln. Diese tritt jedoch im Gegensatz zum natürlichen Schlaf spontan ein und ist in der Regel mit einem körperlichen Problemzustand verbunden.

Das Oxford English Dictionary definiert Schlaf als:

„Ein Zustand von Körper und Geist, der sich typischerweise jede Nacht über mehrere Stunden wiederholt, bei dem das Nervensystem inaktiv ist, die Augen geschlossen sind, die Muskeln entspannt sind und das Bewusstsein praktisch ausgesetzt ist“.

Merriam-Webster bevorzugt die prägnantere Definition:

„Die natürliche periodische Aussetzung des Bewusstseins, bei der die Kräfte des Körpers wiederhergestellt werden“.

Das MacMillan Dictionary for Students bietet:

„Schlaf ist ein natürlich wiederkehrender Zustand, der durch reduziertes oder fehlendes Bewusstsein, relativ beschränkte sensorische Reizbarkeit und Inaktivität fast aller bewussten Muskeln gekennzeichnet ist“.

Ein etwas wissenschaftlicherer Begriff findet sich in Stedmans medizinischem Wörterbuch:

„ein natürlicher periodischer Ruhezustand für Geist und Körper, bei dem die Augen sich in der Regel schließen und das Bewusstsein ganz oder teilweise schwindet, sodass die körperliche Bewegung und die Reaktionsfähigkeit auf äußere Reize abnimmt“.

Die gemeinsamen Elemente dieser Beschreibungen, die als notwendige Bestandteile in der Definition des Schlafes auftreten, sind:

  • Schlaf ist ein natürlich vorkommender Zustand.
  • Er ist periodisch und wiederkehrend
  • Er betrifft sowohl den Geist als auch den Körper.
  • Er beinhaltet die vorübergehende Aussetzung des Bewusstseins.
  • Er beinhaltet die Entspannung und Inaktivität der Muskulatur.

Dieser körperliche Ruhezustand, der in unterschiedlicher Ausprägung bei nahezu allen Wirbeltieren vorkommt, ist lebenswichtig. Er beschreibt den in der Regel bewusstlosen Ruhezustand, in dem sich der Körper sowohl physiologisch als auch mental erholt. Erlebnisse werden verarbeitet, Gewebe erneuert und Reserven aufgefüllt.

Schlaf zeichnet sich durch eine Reihe anders ausgeprägter Merkmale gegenüber unserem Wachzustand aus. Zu ihnen zählen Bewusstsein, Gehirnaktivität, Muskeltonus, Atemfrequenz, Stoffwechsel, Puls und Blutdruck. Diese Parameter unterliegen auch zwischen den einzelnen Schlafphasen Schwankungen.

Die ganzheitliche Funktion des Schlafes ist noch nicht komplett aufgeklärt. Sicher ist, dass er eine entscheidende Rolle bei der Regeneration von Organen als auch Hirnregionen spielt. Vollständiger Schlafentzug über kurz oder lang führt zu erheblichem Leidensdruck, körperlichen Veränderungen, Leistungseinbußen, Verhaltensstörungen und letztendlich zum Tod. 

Die elektrophysiologische Definition

Die elektrophysiologische Definition des Schlafes basiert auf EEG- und Polysomnogramm-Tests. EEG-Indikationen für Spannungsunterschiede können als Wellen klassifiziert werden und Wissenschaftler kennen die charakteristischen Wellen der verschiedenen Schlafphasen. Die Stufen 1, 2 und 3 sind so unterschiedlich, dass auch ein ungeschulter Beobachter zwischen ihnen und dem EEG eines wachen Gehirns unterscheiden kann.

REM-Schlaf EEG-Messwerte ähneln eher dem Wachzustand und könnten durch ein ungeschultes Auge mit denen einer wachen Person verwechselt werden. Experten und Schlafforscher können die Unterschiede erkennen.

Einige kritisieren, dass die (elektrophysiologische) Definition von Schlaf zu sehr auf den Menschen fokussiert ist. Auch Tiere schlafen und die Untersuchung des tierischen Schlafes könnte zusätzliche Rückschlüsse auf den menschlichen Schlaf geben.

Grenzen der Definitionen

Diese Definitionen sind länder- und kulturübergreifend fast immer zutreffend. Sie versagen jedoch, wenn man Schlaf in einzelnen Hirnregionen untersucht oder besondere Formen, wie den Sekundenschlaf, betrachtet. Hier bedarf es genauerer Ausführungen, um den Schlaf adäquat zu charakterisieren. Vielleicht wird in Zukunft ein umfassenderes Verständnis von Schlaf eine umfassendere Definition ermöglichen.