Schlafentzug

Schlafentzug tritt auf, wenn wir nicht genügend Schlaf bekommen, um uns wach und ausgeruht zu fühlen. Obwohl es offizielle keine Schlafstörung ist, ist Schlafentzug nicht nur eine unbedeutende Begleiterscheinung von Müdigkeit. Experten zufolge handelt es sich um ein weit verbreitetes Problem, das unsere Gesundheit, unser Glück und unsere finanziellen Ressourcen belastet.

Etwa 20 Prozent aller Menschen von Industrieländern leiden unter chronischer Schlaflosigkeit. Sie sind anfälliger für Krankheiten, Unfälle und Fehlzeiten am Arbeitsplatz, was zu hohen Kosten für unsere nationale und globale Wirtschaft führt. Die Rand Corporation hat errechnet, dass die Kosten in Deutschland bei ca. 1,56% des Bruttoinlandsprodukts liegen was umgerechnet 52,82 Mrd. € in 2018 waren. Schichtarbeiter, Gesundheitspersonal, Fernfahrer, Soldaten und andere Personen, die mit anspruchsvollen Arbeitszeiten zu tun haben, sind einem höheren Risiko für Schlafentzug und die damit verbundenen Problemen ausgesetzt.

Im Laufe der Zeit kann chronischer Schlafentzug eine Vielzahl von Gesundheitsschäden verursachen, einschließlich:

  • erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes
  • erhöhter Gehalt an Stresshormonen
  • höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • erhöhte Entzündungswerte
  • übermäßige Tagesschläfrigkeit
  • Angstzustände
  • Gedächtnisprobleme
  • Gewichtszunahme
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit

Schlafmangel beeinträchtigt auch die kognitiven Fähigkeiten wie Entscheidungsfindungen und Reaktionszeiten, weshalb Schlafmangel das Risiko von Fahrzeugunfällen erhöht. Es wird auch angenommen, dass Schlafentzug die Auswirkungen des Alterns beschleunigt und die Fähigkeit der Haut zur Heilung reduziert.

Unter anderem beeinflusst der Schlafmangel den Leptinspiegel. Es ist ein Hormon das den Hunger kontrolliert. Menschen die nicht genug schlafen können sich dadurch nach mehr Kalorien und Kohlenhydraten sehnen. Einige Menschen beschweren sich wiederum über Magen-Darm-Probleme, wie Übelkeit und Sodbrennen oder verminderten Appetit.

Behandlung und Prävention

Es ist am besten Schlafmangel überhaupt nicht aufkommen zu lassen. Dabei helfen gesunde Schlafgewohnheiten welche von Ärzten Schlafhygiene genannt wird. Hier sind einige Tipps:

  • halte das Schlafzimmer dunkel, ruhig und kühl.
  • verändere deine Schlaf- und die Aufwachzeit nicht mehr als eine Stunde, auch nicht an Wochenenden.
  • vermeide große, schwere Mahlzeiten innerhalb von drei Stunden vor dem Schlafengehen.
  • vermeide Koffein innerhalb von acht Stunden vor dem Schlafengehen.
  • vermeide Alkohol eine Stunde vor dem Schlafengehen.

Die Einnahme von einigen Medikamenten kann auch Ursache für den Schlafentzug sein. Solltest du Medikamente einnehmen und feststellen, dass dein Schlaf schlechter geworden ist, solltest du darüber mit deinem Arzt sprechen. Solltest du die Vermutung haben oder feststellen, dass dein Schlafentzug die Folge von Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit, einer Schlaf-Wach-Störung des zirkadianen Rhythmus, einer Parasomnie oder ähnliches ist, solltest du ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Kann man an Schlafmangel sterben?

Es gibt keine klinischen Studien an Menschen die beweisen, dass Schlafentzug tödlich ist. Allerdings gab es schon einige Todesfälle (hier und hier) nachdem Menschen tagelang wach blieben und eine Reihe von Studien an Ratten haben gezeigt, dass der Tod auf chronischen Schlafmangel zurückzuführen ist. Wissenschaftler vermuten, dass Schlaf für die Temperaturregulierung des Körpers notwendig ist, die bei Schlafentzug bedingten Todesfällen in Laborstudien eine Rolle spielen könnte. Die seltene Erkrankung „letale familiäre Insomnie“, bei der Betroffene aufgrund genetischer Defekte nicht schlafen können, endet immer tödlich.

Wie lange kann ein Mensch ohne Schlaf überleben?

Im Rahmen individueller und militärischer Experimente (teilweise mittels Drogen) wurden einige Rekorde aufgestellt, doch die Versuche mussten aufgrund der erheblichen Gefahren eingestellt werden. Der aktuelle Rekord liegt bei 266 Stunden oder 11,08 Tagen Schlafentzug.

Schlafmangel als Foltermethode

Wegen der schwerwiegenden Symptome von Schlafdefiziten wurde Schlafentzug lange Zeit als Foltermethode („weiße Folter“) eingesetzt.