Müdigkeit beim Autofahren

Müdigkeit beim Autofahren ist ein weit verbreitetes Problem unter Autofahrern Weltweit. In Deutschland sind nach einer Studie des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums 18,5% aller Unfälle müdigkeitsbedingt. Vor allem Nachts ist das übermüdete Fahren gefährlich, dort sind 42% aller Unfälle der Müdigkeit am Steuer zuzuschreiben.

In diesem Artikel gehen wir auf die wichtigsten Warnzeichen und Risikofaktoren im Zusammenhang mit schläfriges Autofahren ein. Zuerst schauen wir uns an, wie „Müdigkeit beim Autofahren“ derzeit definiert und von Wissenschaft und Polizei bewertet wird.

Was ist schläfriges Fahren?

Schläfriges Fahren ist das führen eines Kraftfahrzeuges bei Müdigkeit. Einige der häufigsten Ursachen für schläfriges Fahren sind:

  • Unzureichender, unterbrochener oder fragmentierter Schlaf
  • Chronische Schlaflosigkeit, Narkolepsie und andere Schlafstörungen
  • Schichtarbeit
  • Zu langes Fahren ohne ausreichende Ruhezeit
  • Verwendung von Beruhigungsmitteln, Hypnotika und anderen Schlafmitteln vor dem Fahren
  • Konsum von Alkohol oder Drogen

Die Auswirkungen des schläfrigen Fahrens sind von Person zu Person unterschiedlich. Die meisten ermüdeten Fahrer haben langsamere Reaktionszeiten und erleiden oft einen Verlust des Kurzzeitgedächtnisses während des Fahrens. Schläfrigkeit wurde auch mit übermäßig aggressivem Fahren in Verbindung gebracht.

Die folgenden Statistiken aus Umfragen in Deutschland, verdeutlichen den Umfang des schläfrigen Fahrens als bundesweites Problem:

  • 26% von 1000 Befragten gaben an, bereits mindestens ein mal am Steuer eingenickt zu sein
  • 46% von 353 befragten LKW-Fahrer gaben an mindestens einmal am Steuer eingenickt zu sein.

Wenn man 18 Stunden am Stück wach bleibt, kann dies zu einer Beeinträchtigung führen, die etwa 0,5 Promille entspricht. Bei 24 Stunden, kann dies zu einer Beeinträchtigung führen, die sogar 1,0 Promille entspricht – in Deutschland liegt die Promillegrenze bei 0,5!

Wer ist für schläfriges Fahren anfällig?

Jeder Fahrer ist anfällig für schläfriges Fahren, aber die Warscheinlihckeit ist bei bestimmten Gruppen höher. So sind beispielsweise Männer häufiger an einem müdigkeitsbedingten Fahrunfall beteiligt als Frauen; dieser Trend umfasst alle Altersgruppen. Andere Gruppen, die als gefährdet für schläfriges Fahren gelten, sind:

  • Junge Fahrer
  • Schichtarbeiter
  • Berufskraftfahrer
  • Geschäftsreisende
  • Menschen mit Schlafstörungen

Junge Fahrer

Fahrer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren gelten aus mehreren Gründen als besonders anfällig für schläfriges Fahren. Zum einen werden jüngere Fahrer einfach nicht auf die gleiche Weise schläfrig wie ältere Menschen. Dies ist auf den hochfunktionellen Schlafzyklus von Teenagern und jungen Erwachsenen zurückzuführen; sie können sich leichter gegen Schläfrigkeit wehren, sind aber auch einem höheren Risiko ausgesetzt, ohne Vorwarnung plötzlich einzuschlafen.

Schlafentzug ist ein weiterer Faktor. Während die meisten Erwachsenen sieben bis acht Stunden nächtlichen Schlaf benötigen, benötigen Jugendliche und junge Erwachsene mindestens neun, um die gleiche Funktionalität am Tag zu erreichen. Allerdings bekommt der durchschnittliche Jugendliche nächtlich nur zwischen fünf und sieben Stunden Schlaf. Diese ein bis drei Ausfallstunden pro Nacht können sich mit jedem Tag anhäufen. Am Ende einer Fünftagewoche hat der durchschnittliche Jugendliche einen Schlafmangel von 10 Stunden angesammelt. Dies erhöht die Unfallgefahr kurz vor dem Wochenende.

Studien haben die hohen Raten von schläfrigen Fahrten mit den typischen frühen Zeitplänen junger Menschen, die arbeiten oder die Schule besuchen, in Verbindung gebracht. Das Journal of Clinical Sleep Medicine stellte einen Zusammenhang zwischen Autounfällen und Studenten fest, die ihren Tag vor 7 Uhr morgens begannen. Eine ähnliche Studie stellte fest, dass die Unfallraten bei Fahrzeugen mit jugendlichen Fahrern um 16,5% zurückgingen, nachdem sich die Klassen auf spätere Startzeiten verschoben hatten. Darüber hinaus sind junge Menschen biologisch so programmiert, dass sie später aufbleiben. Viele Jobs, die bei Teenagern und Menschen in den 20er Jahren beliebt sind, beinhalten auch späte oder Schichtarbeitszeiten.

Es wird angenommen, dass Fahrer zwischen 18 und 29 Jahren mehr als die Hälfte aller schläfrigen Fahrunfälle in den Vereinigten Staaten ausmachen. Die folgende Tabelle zeigt die hohe Wahrscheinlichkeit eines schläfrigen Fahrunfalls mit jungen Menschen im Vergleich zu anderen Altersgruppen. Diese Daten stammen aus einer Umfrage der National Sleep Foundation.

Warscheinlichkeit, an einem Fahrunfall aufgrund von Schläfrigkeit beteiligt zu sein:

  • 18 bis 29 71%
  • 30 bis 64 52% 52%
  • 65 und älter 19%

Schichtarbeiter

 

Nach der TK haben 2014 etwa 57,6% der Erwerbstätigen in Deutschland ständig, regelmäßig oder gelegentlich nachts oder in Wechselschichten gearbeitet. Etwa 15% aller Erwerbstätigen leisten regelmäßig Schichtarbeit. Schichtarbeit ist derzeit definiert als Arbeitszeitplan, der außerhalb des üblichen Arbeitstages von 9 bis 17 Uhr liegt. Schichtarbeit kann sich auf Pendelschichten beziehen, die in der Regel am Nachmittag beginnen und um Mitternacht oder später enden. Hinzu kommen auch Schichten, die sich typischerweise vom späten Abend bis zum frühen Morgen erstrecken. Schichtarbeit umfasst auch Schichten, die 20 bis 40 aufeinanderfolgende Stunden umfassen; diese Zeitpläne finden sich häufig in Branchen, in denen rund um die Uhr Personal benötigt wird, wie z.B. Gesundheitswesen, Strafverfolgung und Brandschutz.

Weitere Informationen über die Auswirkungen, die Schichtarbeit auf den Schlaf haben kann, findest du in unseren Leitfaden zum Schichtarbeitersyndrom.

Berufskraftfahrer

Berufskraftfahrer gelten als besonders gefährdet für schläfriges Fahren. Viele dieser Beschäftigten befolgen Schichtarbeitszeiten, und ihr Job erfordert lange Tage und oft Nächte am Steuer.

Geschäftsreisende

Langen Reisen belasten den Körper und beeinflussen den zirkadianen Rhythmus. Dies gilt insbesondere für internationale Reisen, da die Rückkehr nach Hause typischerweise mit einer Anpassung an die Ortszeit verbunden ist. Die Übergangszeit, die allgemein als Jetlag bezeichnet wird, kann Zeiten der Schlaflosigkeit und/oder Müdigkeit beinhalten. Flüge, die in den frühen Morgen- oder späten Nachtstunden starten oder ankommen, können sich ebenfalls auf den Schlaf auswirken. Aus diesen Gründen sind auch Piloten, Flugbesatzungen und anderes Flugpersonal nach Schichtende durch schläfriges Fahren gefährdet. Geschäftsreisende sollten deswegen nicht selber fahren und mit einem Taxi oder anderweitig zu Flughäfen pendeln. In unserem Leitfaden zum Jetlag erklären wir dir wie du die Auswirkungen minimieren bzw. optimieren kannst.

Menschen mit Schlafstörungen

Viele Schlafstörungen können Schläfrigkeit verursachen. Dazu gehören unter anderem:

  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Obstruktive Schlafapnoe: Temporärer Atemaussetzer während des Schlafes, der den zirkadianen Zyklus stören und zu Tagesmüdigkeit führen können
  • Narkolepsie: Die Tendenz, unkontrolliert einzuschlafen

Schlafstörungen betreffen Millionen von Menschen, werden oft jedoch nicht diagnostiziert. Ein Fahrer mit einer nicht diagnostizierten Schlafstörung hat ein hohes Risiko, in einen müdigkeitsbedingten Unfall verwickelt zu werden.

Menschen, bei denen Schlafstörungen diagnostiziert wurden, nehmen häufig Medikamente ein, die ihnen helfen, ausreichend zu Schlafen. Diese Medikamente erhöhen möglicheweise ebenfalls die Wahrscheinlichkeit eines Fahrunfalls, da sie die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen können.

Prävention von Müdigkeit am Steuer

Folgende Maßnahmen können die Risiken eines Unfalls auf Grund von Müdigkeit minimieren:

  • Schlafe etwas: Das klingt banal, aber es ist der beste Weg. Lerne zu erkennen, wie Schläfrigkeit und Erschöpfung dich beeinflussen, und vermeide unter Schlafmangel zu Fahren.
  • Fahre mit Begleitung: Eine aktuelle UCLA-Studie ergab, dass 82% der schläfrigen Fahrunfälle durch Einzelpersonen verursacht wurden. Fahrgäste verringern die Chancen, während der Fahrt einzuschlafen, erheblich. Darüber hinaus kann ein Beifahrer im Norfall weiterfahren, wenn du zu Müde wirst.
  • Verwende Rastplätze: Rastplätze entlang von Autobahnen und Schnellstraßen sind bei Bedarf für kurze Nickerchen gemacht. Ein beliebter Trend ist des „Coffee Nap“. Man konsumiert ein koffeinhaltiges Getränk und macht ein kurzes Nickerchen. Das Koffein wirkt erst nach 15 bis 20 Minuten und lässt den Schläfer beim Aufwachen noch erfrischter wirken.
  • Kaue Kaugummi: Kaugummi trainiert die Kiefermuskulatur, was die Sinne anregen und die Wachsamkeit erhöhen kann.
  • Schnappe viel frische Luft: Kohlendioxid kann uns schläfrig machen, besonders in stickigen Innenräumen von Autos. Das Öffnen von Fenstern oder das Einstellen der Lüftungssteuerung zum Einbringen von Außenluft kann das Risiko von Übermüdung etwas verringern.
  • Höre Musik: Anstatt Musik bei hoher Lautstärke zu hören – was das Gehör schädigen kann – solltest du eher energiegeladene Musik wählen.
  • Fahre wenn möglich Tagsüber bei Sonnenschein: Dein zirkadianer Rhythmus wird dich Tagsüber fit und wach halten.

Der Alkoholkonsum ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Auswirkungen von Alkohol auf den Menschen sind von Person zu Person unterschiedlich und hängen oft von Faktoren wie Gewicht und Gesundheitszustand ab. Ein Bier kann bereits müde machen. Generell sollte jedoch auf jeglichen Alkohol vor und während der Fahrt vollständig verzichtet werden!

Darüber hinaus sollten Menschen die regelmäßig Medikamente einnehmen, die Warnhinweise lesen, auch wenn sie für einen nicht schlafbezogene Krankheit verschrieben wurden. Die folgenden Medikamententypen können Schläfrigkeit verursachen:

  • Hypnotika und andere Schlafmittel
  • Schmerztabletten
  • Antidepressiva
  • Beruhigungsmittel
  • Bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck
  • Erkältungsmedizin
  • Bestimmte Antihistaminika
  • Muskelentspannungsmittel

Lerne die Symptome von Müdigkeit

Das Verständnis der eigenen Symptome ist wichtig, um rechtzeitig zu reagieren und eine Pause einzulegen:

  • Gähnst du oder blinzelst du häufig? Fühlt sich dein Kopf plötzlich schwer an? Dies sind einige der Möglichkeiten, wie dein Körper dich wissen lässt, dass du müde bist.
  • Übersiehst du Ampeln oder verpasst Abfahrten auf bekannten Straßen? Wenn du müde wirst ist der Verstand aufgrund der sinkenen Konzentration zunehmend mit der Kontrolle des Autos beschäftigt und blendet andere wichtige Informationen aus.
  • Wie nah fährst du auf das vorausfahrende Fahrzeug auf? Übermüdete Fahrer fahren oft unbeabsichtigt näher auf und verkürzen den Sicherheitsabstand.
  • An was erinnerst du dich in den letzten paar Kilometern deiner Fahrt? Wenn dein Körper erschöpft ist, erinnerst du dich nicht mehr an Details.
  • Sind deine Gedanken kohärent oder eher durcheinander? Achte auf deine mentalen Aktivitäten und halte an, wenn du Schwierigkeiten hast, klar zu denken.
  • Verlierst du langsam die Kontrolle über das Auto? Hast du Schwierigkeiten in der Spur zu bleiben?

Wenn du auf einer dieser Fragen mit „Ja“ geantwortet hast, solltest du anhalten und nicht mehr weiterfahren.