Schlaf aufholen

Du hast eine lange Woche voller Überstunden und wenig Schlaf hinter dir. Du hast einige Nächte durchgemacht und möchtest nun den verlorenen Schlaf aufholen?

Intuitiv macht dieser Ansatz für jeden von uns Sinn – aber unser Schlaf funktioniert nicht wie ein Kraftstofftank, den man einfach wieder auffüllen kann, wenn man bereits auf Reserve fährt. Schlafdefizit akkumuliert sich nicht linear – dies bedeutet, das fehlende Schlafstunden nicht eins zu eins nachgeholt werden müssen bzw. können.

Angenommen du schläfst normalerweise sieben Stunden pro Nacht, machst aber plötzlich eine Nacht komplett durch. Am folgenden Tag fühlst du dich deprimiert und unproduktiv aufgrund der körperlichen Auswirkungen von Schlafentzug. Rein rechnerisch gesehen würdest du in der folgenden Nacht 14 Stunden Schlaf benötigen, um das Defizit zu bereinigen. Tatsächlich holt dein Körper jedoch nicht den gesamten verlorenen Schlaf auf. Nach ca. zehn Stunden würdest du aus deinem „Aufholschlaf“erwachen und dich relativ erholt und normal fühlen, ein gewisses Schlafdefizit wird jedoch weiterhin bestehen.

Du schaffst es deinen gesamten Tiefschlaf und etwa 75% des REM-Schlafes aufzuholen, wirst aber nicht viel von deinem verlorenen Leichtschlaf wiedererlangen. Im Leichtschlaf treten die Schlafspindeln auf, bei denen vermutet wird, dass sie für die Festigung neu gelernter Informationen zuständig sind. Das ist zum Beispiel ein großer Nachteil für Studenten, die vor einer Prüfung die Nacht durch lernen. Die neu gelernten Informationen können nicht gefestigt werden und der Schlafmangel zieht eine Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit nach sich, was insgesamt zu schlechteren Resultaten führt.

Auf lange Sicht ist dieses Leichtschlafdefizit also nicht durch zusätzliche Schlafstunden aufzuholen. Daher sollte nach Möglichkeit regelmäßig ausreichend Schlaf absolviert werden, um alle relevanten Schlafphasen zu durchlaufen und optimale kognitive Leistungsfähigkeit bereitzustellen.

Rekord im Wachbleiben

Randy Gardner hat 1965 im Alter von 17 Jahren mehr oder weniger einen Rekord im wach bleiben aufgestellt. Er blieb 11 Tage lang ohne Schlaf wach, während er von Forschern beobachtet wurde. Dieser Rekord ist nicht „offiziell“ dokumentierter und es gibt Berichte, dass Menschen noch länger aufgeblieben sind, jedoch ohne klinische Aufsicht oder offizielle Dokumentation.

Die Grenze der menschlichen Wachsamkeit liegt bei etwa zehn Tagen. Was passiert dann? Die Person fällt in den Schlaf und der Körper versucht den Schlaf aufzuholen. Im Fall von Randy Gardner waren es 15 Stunden in der ersten Nacht und 10 Stunden in der darauf folgenden Nacht, bevor er wieder in sein übliches Schlafmuster übergegangen ist.