Essstörungen und Schlafstörungen

Essstörungen betreffen Menschen aller Geschlechter, Altersgruppen und ethnischen Gruppen. Etwa 5 % der Erwachsenen können irgendwann während ihrer Lebenszeit eine Essstörung entwickeln, einschließlich Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimie nervosa) und Essattacken.

Dabei treten Essstörungen nicht isoliert auf, sondern werden häufig von Schlafstörungen begleitet. Eine Studie ergab, dass Einschlafprobleme bei weiblichen Patienten mit Anorexie oder Bulimie doppelt so häufig vorkommt. Schlaflosigkeit ist mit einem erhöhten Risiko für Essstörungen verbunden und Essstörungen mit einem erhöhten Risiko für Schlafstörungen. Dabei ist problematisch, dass Schlafmangel die Symptome der Essstörung verschlimmern kann und zu Begleitkrankheiten wie Depression und Angstzuständen führen kann.

Zusammenhänge zwischen Essstörungen, Schlaflosigkeit, Schlafapnoe und beeinträchtigten Tagesfunktionen

Niederländische Forscher haben 574 junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren auf den Body-Mass-Index (BMI), Essstörungen, Schlafstörungen beobachtet. Dabei wurden 12 % positiv auf eine Essstörung getestet. Im Vergleich zu den Teilnehmern ohne Essstörungen, hatten diese eine Signifikat höhere Wahrscheinlichkeit an einer Schlafapnoe und Schlaflosigkeit zu leiden.

Schlafapnoe ist eine Schlafstörung, bei der der Betroffene kurzzeitig aufhört zu atmen, was zu einem keuchenden oder erstickenden Geräusch führt, das den Schlafzyklus stört. Schlafapnoe wird mit Depressionen, Fettleibigkeit, Diabetes und einem dreimal höheren Todesrisiko verbunden.

Schlaflosigkeit oder Insomnie beschreibt die Schwierigkeit Ein- und Durchzuschlafen. Ungefähr 15 bis 20 % der Bevölkerung leidet an einer temporären Insomnie, die nur einige Tage bis Wochen andauert. Eine chronische Insomnie dauert mehrere Monate und länger an, daran leiden in etwa 10 % der Bevölkerung.

Magersucht in Zusammenhang mit der Verminderung des Tiefschlafes

Die für Anorexie typischen Symptome wie Gewichtsabnahme, Hunger und Unterernährung können sich alle negativ auf den Schlaf auswirken. In einer Analyse, die sich über Studien von fast vier Jahrzehnten (von 1970 bis 2015) erstreckt, stellten die Forscher fest, dass Personen mit Anorexie insgesamt einen kürzeren Schlaf und eine schlechtere Schlafqualität haben.

Polysomnogramme bestätigten diese Ergebnisse und zeigten, dass Menschen mit Anorexie weniger Zeit im Schlaf verbringen, insbesondere bei langsamen Wellen oder tiefem Schlaf. Sie haben auch eine reduzierte Schlafeffizienz. Mit anderen Worten, von der Zeit, die sie im Bett verbringen, wird weniger davon im Schlaf verbracht.

Der chronische Hunger ist ebenfalls mit fragmentiertem Schlaf und einer Abnahme des Tiefschlafes verbunden. Fragmentierter Schlaf führt insgesamt zu weniger erholsamen Schlaf, da der Schlafzyklus immer wieder „neugestartet“ werden muss. Dabei ist es für einen erholsamen Schlaf wichtig, den gesamten Schlafzyklus zu durchlaufen.

Aber für Menschen mit Anorexie kann das unerreichbar sein. Ihr Schlaf ist gestört und unruhig was zu Beeinträchtigung der Stimmung und des Funktionierens führt – was es schwieriger macht, im Alltag zurechtzukommen. Glücklicherweise zeigen Studien, dass, wenn die Betroffenen ihr Gewicht, auch nur teilweise, wiederherstellen, auch ihr Schlaf wiederhergestellt wird.

Essattacken in Zusammengang mit Schlafstörungen

Eine schwedische Studie hat herausgefunden, dass Schlafstörungen bei Frauen in einem starken Zusammenhang mit Essattacken stehen. Dabei wurden die Essattacken durch den Schlafmangel hervorgerufen.

Eine weitere Studie hat die Schlafmuster von 400 Frauen mit Bulimie und Magersucht analysiert. 60 % der Frauen in beiden Gruppen haben über Schlafstörungen berichtet. Während die Forscher keine Unterschiede in den Schlafmustern feststellen konnten, haben sie herausgefunden, dass Betroffene die Essattacken hatten oder sich Erbrochen haben, doppelt so oft an Schlafproblemen litten als solche, die dies nicht getan haben.

Warum einige Essstörungen den Schlaf beeinträchtigen können

Die Forschung deutet darauf hin, dass Essstörungen den Schlaf verschlechtern können, aber was erklärt diesen Zusammenhang? In vielen der Studien machen die Forscher darauf aufmerksam, dass Schlafprobleme dazu neigen, die Symptome einer Essstörung zu verschlimmern, und dass Erbrechen und Essattacken wiederum Schlafprobleme verschlimmern.

Zwei weitere potenzielle Faktoren sind komorbide psychische Erkrankungen und hormonelle Ungleichgewichte.

Psychische Gesundheit und Depressionen

Forscher glauben, dass die Emotionen hinter den Essstörungen, wie Wut und Depressionen, in Zusammenhang mit den Schlafstörungen stehen. Depressionen korrelieren starken mit Ein- und Durchschlafstörungen. Der Mangel an REM-Schlaf, ausgehend durch die Schlafstörungen, kann den Kreislauf zwischen schlechten Schlaf und Essstörungen verstärken.

Hormonelle Ungleichgewichte

Es könnte auch eine hormonelle Erklärung für die Schlafprobleme geben, die häufig bei Menschen mit Essstörungen auftreten. Insbesondere haben Forscher beobachtet, wie Schlafentzug die Regulation von Stress- und Appetithormonen im Körper stört.

Leptin und Ghrelin sind zwei Hormone, die in erster Linie für die Regulierung des Appetits verantwortlich sind. Leptin reduziert den Appetit, während Ghrelin ihn erhöht. Ein Effekt von Schlafentzug, ob nach einer Nacht oder auf chronischer Basis, ist ein Anstieg des Ghrelinspiegels. Laut Tierversuchen hat die Nahrungsbeschränkung den gleichen Effekt.

Personen mit Essstörungen kontrollieren ihre Nahrungsaufnahme streng und schlafen zu wenig. Eine oder beide dieser Effekte können zu einer Erhöhung des Ghrelinspiegels führen, wodurch das Risiko von Essattacken erhöht und der Schlaf weiter gestört wird.

Auch Stresshormone können beteiligt sein. Wir erleben Stress auf hormoneller Ebene: Unser Cortisolspiegel (das Stresshormon) steigt. Ein erhöhter Cortisolspiegel ist sowohl mit Schlaflosigkeit als auch mit Essattacken verbunden. Wenn Cortisol steigt, nimmt Leptin ab (das appetitanregende Hormon). Infolgedessen kann sich das Hungergefühl des Einzelnen und die Tendenz zu Essattacken verstärken.

Behandlung von Ess- und Schlafstörungen

Die Behandlung von Schlafproblemen ist ein äußerst wichtiger Schritt bei der Behandlung einer Essstörung. Mit besserem Schlaf fühlen man sich tagsüber weniger müde und emotional erschöpft, was es einfacher macht, eine Therapie zu machen und während der Genesung motiviert zu bleiben. Folgende Optionen zur Behandlung gibt es:

Psychotherapie

Das Ziel der Behandlung ist es, gesunde Wege zu erlernen, mit Stress und Ängsten umzugehen, gesündere Gedanken und Emotionen rund um das Essen zu entwickeln und die Essgewohnheiten zu Normalisieren. Es kann hilfreich sein, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, der einen umfassenden Behandlungsplan entwickelt und die negativen Gefühle in Bezug auf Essen, Schlafprobleme und andere zugrunde liegende Themen wie Depressionen oder Angstzustände behandelt.

Da Essstörungen und Schlafverlust so miteinander verflochten sind, empfehlen Ärzte, die kognitive Verhaltenstherapie als Teil der Behandlung aufzunehmen. Diese gilt allgemein als die beste Behandlung gegen Schlaflosigkeit; es ist deutlich wirksamer als Medikamente. Die Behandlung hilft dem Patienten, die negativen Denkmuster und Gewohnheiten zu identifizieren, die er mit dem Schlaf hat, und lernt, sie durch produktiveres, gesünderes Verhalten zu ersetzen.

Auch die Einbeziehung einer Fokussierung auf Schlafgewohnheiten in die Akzeptanz- und Engagementstherapie kann hilfreich sein. Die Akzeptanz- und Engagementstherapie nutzt Achtsamkeitsstrategien, um dem Patienten zu helfen, seine „psychologische Flexibilität“ zu erhöhen. Anstatt ihre inneren Gefühle zu bekämpfen, lernen die Patienten, sie zu akzeptieren. Sie lernen sich anzupassen, um die Verhaltensänderungen zu erreichen, die sie in ihrem Leben vornehmen wollen.

Schlafhygiene

Angesichts des Zusammenhangs zwischen Schlafproblemen und Essstörungen empfehlen die Forscher oft, die Aufklärung über Schlafhygiene in den Behandlungsplan aufzunehmen. Nachfolgend finden Sie fünf gute Schlafhygieneverfahren, mit denen Sie beginnen können.

Zusätzliche Ressourcen für die Behandlung

Neben der Psychotherapie gibt es ambulante und stationäre Programme zur Behandlung von Ess- und Schlafstörungen. Diese Programme sind so konzipiert, dass sie die emotionalen und Verhaltensfaktoren behandeln, die zu ungeordnetem Essen und Schlafen beitragen. Registrierte Ernährungswissenschaftler können auch eine gute Quelle sein, um bei der Planung der Ernährungsumstellung zu helfen.

Um Ressourcen in Ihrer Nähe zu finden und vertrauliche Hilfe zu erhalten, können Sie sich an folgende Institutionen wenden:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • Kontakt zu Selbsthilfegruppen
  • ANAD e.V. Versorgungszentrum Essstörungen
    • Tel.: 089 2199730 (Mo – Do 9:00 – 17:00 Uhr, Fr 9:00 – 16:00 Uhr)
    • www.anad.de