Schlaflabor

Bei Verdacht auf eine chronische Schlafstörung, wie z.B. Schlafapnoe oder Schlaflosigkeit, solltest du einen Arzt aufsuchen. Nach einigen Fragen zu deinen Schlafgewohnheiten entscheidet dieser, dich an ein Schlaflabor zu überweisen.

Schlaflabore ermöglichen fundierte Diagnosen von Schlafstörungen. Es gibt viele Schlaflabore in Deutschland und die Zahl wächst weiter. Hier erfährst du alles wichtige über Schlaflabore und deren Abläufe.

Was ist eine Schlaflabor?

Im Wesentlichen ist eine Schlaflabor eine medizinisches Einrichtung, in dem Patienten während des Schlafens beobachten werden. Jeder Raum ist mit geeigneten medizinischen Überwachungsgeräten ausgestattet, die von medizinischem Personal besetzt sind, das in Schlafmedizin ausgebildet ist. Basierend auf den Daten des erstellten Schlafprofils wird der betreuende Arzt feststellen, ob eine Schlafstörung vorliegt.

Schlaflabore sind in erster Linie Diagnosezentren. Sie können Teil eines Krankenhauses sein, die meisten Kliniken sind jedoch eigenständig. Diese Einrichtungen haben in der Regel einen betreuenden Arzt, aber der Großteil der Arbeit wird von Technikern erledigt. Die Techniker sind diejenigen, die den Test durchführen und überwachen. Dann teilen sie die Daten mit dem Arzt, der die Ergebnisse interpretiert und eine Diagnose stellt.

Wie sehen die Patientenzimmer aus?

Neben dem Bett befinden sich in den Patientenzimmern medizinische Geräte zur Überwachung des Schlafes. Du wirst über Kabel und Sensoren mit dieser Ausrüstung verbunden. Verschiedene Teile der Ausrüstung überwachen verschiedene Vitalparameter während des Schlafes, wie Gehirnströme, Atemmuster, Augen- und Körperbewegungen.

Auf einer Seite befindet sich auch ein Beobachtungsfenster mit Gegensprechanlage. Der Techniker des Schlaflabors bleibt für die gesamte Zeit in diesem Bereich und kann dich während des Schlafes beobachten und mit dir über die Sprechanlage kommunizieren.

In Krankenhaus-Schlaflaboren sehen die Patientenzimmer oft ähnlich aus wie die anderen Krankenhauszimmer, jedoch mit komfortableren Betten und Schlafdiagnosegeräten. Die Zimmer in eigenständigen Schlaflaboren hingegen sehen eher wie Hotelzimmer aus. Viele Schlaflabore haben das Ziel, die Zimmer zu einer gastfreundlichen Umgebung zu machen, da sie sich bewusst sind, wie schwierig es für jemanden sein kann, in einer fremden Umgebung unter Beobachtung einzuschlafen.

Warum sollte man eine Schlafuntersuchung durchführen?

Wenn du Probleme mit chronischem Schnarchen, übermäßiger Tagesschläfrigkeit oder allgemein Ein- und Durchschlafprobleme hast, ist es möglich, dass du unter einer Schlafstörung leidest. Typischerweise verweisen Ärzte die betroffenen Menschen zu Schlaflaboren, wenn sich Verhaltensänderungen und andere Methoden als unwirksam für die Lösung eines schlafbezogenen Problems erwiesen haben.

Durch die Überprüfung aller Daten aus der Untersuchung kann ein Arzt eine fundierte Diagnose stellen. Bei vielen Schlafstörungen zeigen sich die Symptome im Schlaf, da sie an physiologische Reaktionen gebunden sind, die wir nicht selbst steuern können, wie Blutdruck, Herzfrequenz und Gehirnwellenaktivität. Insbesondere die Gehirnwellenaktivität ist ein wichtiges diagnostisches Werkzeug, da wir je nach Schlafphase unterschiedliche Gehirnwellenaktivitäten zeigen. Eine Untersuchung kann zeigen, ob du genügend Zeit in verschiedenen Phasen des Schlafes verbringst, wie z.B. Tiefschlaf oder REM-Schlaf.

Was kann eine Schlaflabor diagnostizieren?

Schlaflaboren diagnostizieren eine Vielzahl von Schlafstörungen. Hier sind einige der häufigsten Diagnosen:

Schlafapnoe

Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atemstörung, bei der Betroffene im Schlaf kurzzeitig aufhören zu atmen. Oft bemerkt die Person es nicht, denn das Gehirn weckt den Körper nur bis zum Punkt auf, ab dem wieder geatmet wird. Diese ständigen Schlafunterbrechungen stören den Schlaf, was zu übermäßiger Tagesschläfrigkeit und körperlicher Erschöpfung führen kann.

Schlaflosigkeit

Schlaflosigkeit ist eine der häufigsten Schlafstörungen, wobei jeder vierte Deutsche von leichter Schlaflosigkeit betroffen ist. Es beschreibt eine allgemeine Schwierigkeit, einzuschlafen oder durchzuschlafen, und drückt sich in fragmentiertem Schlaf oder zu frühes Aufwachen aus. Chronische Schlaflosigkeit wird diagnostiziert, wenn diese Erkrankung monatelang andauert. Schlaflosigkeit ist eine Bedingung, die stark von Umweltfaktoren und psychischen Erkrankungen wie Angstzuständen und Depressionen beeinflusst werden kann. Es kann aber auch ein Symptom einer anderen Schlafstörung sein – in diesem Fall kann ein Schlaflabor die Ursache aufdecken.

Narkolepsie

Narkolepsie beschreibt einen Zustand, in dem selbst bei ausreichend Schlaf tagsüber eine übermäßige Schläfrigkeit besteht. Menschen mit Narkolepsie schlafen tagsüber spontan ein, was ihren Alltag stark stört und sie der Gefahr von Verletzungen und Unfällen aussetzt.

Um Narkolepsie zu diagnostizieren, führen Schlaflabore sowohl eine Übernacht- als auch eine Tagesuntersuchung durch. Die Tagesuntersuchung beobachtet, wie spontan und mit welcher Häufigkeit der Patient einschläft, während die Nachtuntersuchung darauf ausgerichtet ist eventuell andere Schlafstörungen, die die Symptome tagsüber verursachen, zu entdecken.

Restless Leg Syndrom (RLS)

RLS ist eine schlafbezogene Bewegungsstörung, bei der der Patient beim Liegen ein unangenehm taubes oder prickelndes Gefühl in den unteren Gliedmaßen verspürt. Durche Bewegung der Beine wird Abhilfe geschaffen. Dieser unkontrollierbare Drang, die Beine ständig zu bewegen, um das Schmerzempfinden zu lindern, macht es schwierig, einzuschlafen.

Während RLS häufig anhand von selbstberichteten Symptomen diagnostiziert wird, kann eine Untersuchung helfen festzustellen, ob es durch eine andere zugrunde liegende Schlafstörung verursacht wird.

Periodische Bein- oder Extremitäten-Bewegungen (PLMD)

PLMD ist eine weitere schlafbezogene Bewegungsstörung, bei der das Individuum häufig wiederholte, unwillkürliche Bewegungen der unteren Gliedmaßen durchführt, die bei PLMD jedoch während des Nicht-REM-Schlafes auftreten. Untersuchungen werden oft angeordnet, da PLMD eine hohe Assoziation mit anderen Schlafstörungen hat.

Schlafwandeln

Schlafwandeln ist eine Parasomnie, bei der der Mensch in der ersten Hälfte der Nacht während des Tiefschlafes aufsteht, steht und/oder wandert. Da Betroffene nicht bei vollem Bewusstsein sind, kann es schnell zu Verletzungen kommen.

Während die meisten Kinder normalerweiseauf natürliche Weise aus dem Schlafwandeln herauswachsen, kann eine Untersuchung im Schlaflabor angeordnet werden, um zu bestätigen, dass die Symptome nicht durch Schlafanfälle oder eine andere Erkrankung verursacht werden.

Rhythmische Bewegungsstörung

Rhythmische Bewegungsstörungen sind eine häufiger auftretende Erkrankung bei Kindern, bei der das Individuum seinen Körper in einem sich wiederholenden Muster schaukelt, während es einschläft oder sich kurz vor dem Übergang in den Leichtschlaf befindet. Wenn die Bewegungen zu werden, können sie zu Verletzungen führen.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung (eng. Rapid eye movement sleep behavior disorder, RBD)

REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist eine Schlafstörung, die mit dem REM-Stadium des Schlafes verbunden ist. Das Individuum macht laute Geräusche im Schlaf und lebt die Träume heftig aus, indem es schreit, läuft, springt oder andere Bewegungen ausführt. Im Gegensatz zu Nachtschrecken, bei denen sich der Einzelne nicht an die Episode beim Aufwachen erinnert, sind Personen mit RBD normalerweise beim Aufwachen bei vollem Bewusstsein und erinnern sich lange an die Episode. RBD ist bei älteren Erwachsenen stärker verbreitet. Es wird häufig mit anderen Schlafbewegungsstörungen verwechselt. Eine Schlafstudie, zusammen mit einer neurologischen Untersuchung, kann die Symptome von RBD von denen anderer Gesundheitszustände unterscheiden.

Schlafbruxismus

Schlafbruxismus ist eine schlafbezogene Bewegungsstörung, bei der der Einzelne während des Schlafes mit den Zähnen knirscht und die damit verbundenen Gesichtsmuskeln verspannt, was zu schweren Zahngesundheitsproblemen führt und die Qualität des Schlafes beeinträchtigt. Menschen entdecken oft, dass sie Schlafbruxismus haben, weil sie mit Kopfschmerzen aufwachen und beginnen, Schäden an ihren Zähnen zu bemerken.

Was wird während einer Schlafuntersuchung getestet?

In Schlaflaboren werden vier Haupttypen von Tests durchgeführt:

Polysomnogramm (PSG)

Polysomnogramme sind der am häufigsten durchgeführte Test. Dank der Elektroden und Sensoren, die an deinem Körper angebracht sind, misst und protokolliert diese Nachtuntersuchung die Vitalfunktionen während des Schlafes, einschließlich deiner Gehirnaktivität, Herzfrequenz, des Blutdrucks, des Sauerstoffgehalts, der Körper- und Augenbewegungen. Ein Polysomnogramm ist ein wichtiges Testwerkzeug für die meisten Schlafstörungen, einschließlich Schlafapnoe, schlafbezogene Bewegungs- oder Anfallsleiden und Schlaflosigkeit.

Multipler Schlaflatenztest (MSLT)

In Fällen von Narkolepsie und Schlafapnoe kann nach Abschluss eines Polysomnogramms ein MSLT angeordnet werden. Diese Prüfungen finden tagsüber statt. Während der MSLT hat der Patient fünf 20-minütige Nickerchen, die jeweils 2 Stunden auseinander liegen. Der Techniker überwacht die Gehirnaktivität und die Augenbewegungen, um zu messen, wie schläfrig der Patient wird, wie schnell und mit welcher Frequenz er in den REM-Schlaf geht und ob seine Schlafapnoebehandlungen richtig funktionieren.

Multipler Wachbleibetest (MWT)

Wie beim MSLT wird auch diese Untersuchung manchmal nach Abschluss eines Polysomnogramms durchgeführt. Das MWT wurde entwickelt, um die Wachsamkeit und die Fähigkeit der Person während des Tages wach zu bleiben, zu überprüfen. Es misst das Ausmaß der übermäßigen Tagesschläfrigkeit. MWTs helfen, die Eignung von jemandem für lange Arbeitszeiten (wie z.B. LKW-Fahrten) zu beurteilen und auch, ob Schlafapnoebehandlungen sich als wirksam erweisen.

CPAP-Titration

Wenn der Arzt während des Polysomnogramms eine Schlafapnoe findet, wird eine weitere Untersuchung über Nacht durchgeführt, bei der er den richtigen Luftdruck für das CPAP-Gerät ermittelt. Die CPAP-Therapie ist die effektivste Behandlung der Schlafapnoe, aber der Luftdruck muss korrekt kalibriert werden, damit der Patient ihn bequem genug findet, um damit zu schlafen.

Was passiert während einer Schlafuntersuchung?

Schlafuntersuchungen sind nicht-invasive Untersuchungen, die über Nacht in einem Schlaflabor durchgeführt werden. Um 7 Stunden Testzeit zu ermöglichen, organisieren Schlaflabore normalerweise, dass die Patienten nachts zwischen 8 und 10 Uhr ankommen, so dass Sie zwischen 6 und 8 Uhr morgens abreisen können (mit 2 Stunden Puffer).

Wenn du im Schlaflabor ankommst, wird dich ein Schlaftechniker einchecken. Anschließend musst du evtl. noch fehlende Unterlagen ausfüllen. Als nächstes testen sie deine Vitalparameter, wie du es bei einem normalen Arzttermin gewohnt bist, wie beispielsweise deinen Blutdruck. Dann fangen sie an, dir die Untersuchung zu erklären, während sie anfangen, die Ausrüstung an deinem Körper anzubringen.

  • Elektroden werden mit einer Paste an der Kopfhaut befestigt, um deine Gehirnwellenaktivität mittels Elektroenzephalographie (EEG) zu messen.
  • Elektroden werden mit Klebeband an dem Gesicht befestigt, in der Nähe der Augen und des Kinns, um die Augenbewegungen (die das Stadium des Schlafes anzeigen) und potentielles Zähneknirschen zu messen.
  • Elektroden werden auf jedes Bein gelegt, um Körper- oder Muskelbewegungen zu messen.
  • Zwei elektrische Gürtel werden angebracht, einer um die Brust und einer um den Bauch, um die Atmung zu überwachen.
  • Ein durchsichtiger Kunststoff-Nasenschlauch überwacht die Atmungsaktivität über einen nasalen Luftstromsensor.
  • Ein Sauerstoffmonitor wird an einen Zeigefinger geklebt, um Ihren Sauerstoffgehalt zu ermitteln.
  • Elektrokardiographische (EKG) Monitore messen die Herzfrequenz und den Rhythmus.
  • Ein kleines Mikrofon wird an der Kehle angebracht, um Schnarchen aufzuzeichnen.

Die Drähte, die an all diesen Sensoren befestigt sind, sind lang genug, damit Sie sich im Schlaf wie gewohnt bewegen können.

Bevor du schlafen gehst, spricht der Techniker mit dir über eine Gegensprechanlage aus dem anderen Raum und arbeitet an der Kalibrierung der Geräte. Sobald alles gut aussieht, werden sie dir sagen, dass du einschlafen kannst. Während du schläft, überwachen sie weiterhin alle Daten, die von den Computern kommen.

Manchmal lassen die Techniker dich schlafen, bis du natürlich aufwachst, und manchmal wecken sie dich zu einem vorgewählten Zeitpunkt. Sobald du wach bist, wird der Techniker alle Überwachungsgeräte entfernen, dir zusätzliche Dokumente zum Ausfüllen geben und dann kannst du auch schon gehen.

Etwa 7 bis 10 Tage später sollten die Ergebnisse vorliegen. Der Arzt wird dir nicht nur eine Diagnose geben, sondern auch möglichen Behandlungsmöglichkeiten durchsprechen, falls du tatsächlich eine Schlafstörung aufweisen solltest.

Wie viel kostet es, eine Schlafuntersuchung durchführen zu lassen?

Eine Studie an einer Schlaflabor kann teuer sein, sie beginnen bei ca. 1000€ . Die Versicherung übernimmt alle kosten, wenn eine Verweisung von einem Arzt vorliegt.

Wie man sich auf eine Untersuchung im Schlaflabor vorbereitet

Wenn du eine Untersuchung geplant hast, ist es wahrscheinlich, dass die Klinik dir Vorbereitungs- und Pflegeanweisungen zur Verfügung stellt, die du vor der Untersuchung befolgen musst. Dennoch solltest du die folgenden Tipps beachten, um dich auf eine erfolgreiche Untersuchung vorzubereiten:

Die Woche vor der Schlafuntersuchung

In den Tagen vor dem Termin solltest du dein Leben wie gewohnt leben, gehe zur Arbeit oder verbringen Zeit mit Freizeitaktivitäten.

Am Tag der Schlafuntersuchung

  • Vermeide am Tag der Studie Alkohol zu trinken.
  • Nimm nach dem Mittagessen kein Koffein mehr zu dir.
  • Vermeiden Nickerchen.
  • Entferne Nagellack von den Zeigefingern, da an einem von ihnen ein Sauerstoffmonitor angebracht wird.

Die Nacht der Schlafuntersuchung

  • Komm pünktlich im Schlaflabor an. Die Termine sind in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr angesetzt.
    Stelle sicher, dass du zu Abend gegessen hast und bereit bist, schlafen zu gehen.
  • Bringe deine Schlafkleidung und Kulturbeutel mit.
  • Bringe alle Medikamente mit, die du einnimmst und informiere den Techniker über diese Medikamente.
  • Bring dein Schlaftagebuch mit, wenn du eines geführt hast, und stelle es dem Techniker zur Verfügung.

Während der Schlafuntersuchung

Mach dir keine Sorgen, dass du länger als sonst brauchst, um einzuschlafen. Viele Menschen finden es schwierig, an einem neuen Ort zu schlafen, vor allem wenn sie verkabelt sind und wissen, dass sie beobachtet werden.